OrthoCast - Der Orthinform Podcast
Neuigkeiten aus Orthopädie und Unfallchirurgie:
Podcasts mit renommierten Expertinnen und Experten.
OrthoCast - Der Orthinform Podcast
Klettern, Kreuzband, Schulter: Sportorthopädie mit Prof. Christoph Lutter
Der Moment, in dem der Finger hörbar knackt, das Knie einknickt oder die Schulter aus der Pfanne rutscht, entscheidet oft über Wochen der Rückkehr – oder über Monate des Frusts. Gemeinsam mit Prof. Christoph Lutter, Leiter der Sportorthopädie am Universitätsklinikum Rostock, gehen wir dahin, wo es weh tut: zu Ringbandrissen beim Klettern, den Dauerbrennern am Knie und den tückischen Luxationen der Schulter. Ohne Hysterie, dafür mit klaren Abläufen, die Orientierung geben und echte Entscheidungen ermöglichen.
Wir starten an der Kletterwand: Warum der A2-Ringbandriss so typisch ist, wie Lastspitzen entstehen, und wieso Tape keine Versicherung ist. Du erfährst, wie Sonografie in erfahrenen Händen die Diagnose präzise stellt, weshalb 3D-gedruckte Schutzringe konservative Heilung unterstützen und wann eine OP wirklich Sinn ergibt.
Dann wechseln wir zum Knie – Kreuzband, Meniskus, Knorpel und Patellastabilität – und zeigen, warum PRICE am Anfang fast immer der richtige Schritt ist, Röntgen knöcherne Schäden ausschließt und ein MRT gezielt, nicht reflexhaft, eingesetzt werden sollte. Dazu gibt es einen praxisnahen Fahrplan nach Verdrehtrauma und einen Blick auf Scores, die bei Patellaluxationen den Weg zwischen Schiene und OP weisen.
An der Schulter machen wir es greifbar: Teelöffel, Golfball und „saurer Apfelring“ erklären, wie Stabilität entsteht – und warum sie nach einer Luxation verloren geht. Wir sprechen über Reposition, das optimale MRT-Timing, die Bewertung von Labrum- und Knochenschäden sowie die Kriterien, die bei jungen Wettkampfsportlern anders wiegen als bei älteren Freizeitathleten.
Durchgehend gilt: Prävention ist kein Buzzword, sondern Trainingsthema – progressive Steigerung, sauberes Warm-up, Technik, Regeneration und Ernährung schützen Gewebe, das langsamer reift als Muskeln.
Hör rein, wenn du Klarheit statt Mythen willst – für smartere Entscheidungen nach Verletzungen und für weniger Ausfälle im Sport.
Gefällt dir der OrthoCast? Abonniere den Podcast, teile die Folge mit deinem Team und hinterlasse uns eine Bewertung – welche Frage sollen wir als Nächstes angehen?
Music under CC License:
Artist: Jahzzar, Track: Blueprint (License: CC BY-SA 4.0 DEED)
Artist: Breuss Arrizabalaga Quintet, Track: Mount Fuji (License: CC PD)
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des OrthoCasts. Mein Name ist Katharina Döpfer.
Speaker 2:Und ich bin Robert Hudek.
Speaker 1:Unser Thema heute ist Sportorthopädie.
Speaker 2:Und es geht dabei natürlich um einige verschiedene Gelenke, und es ist ein so riesengroßes, komplexes Thema, katharina, es ist wirklich endlos. Aber irgendwo müssen wir halt eben anfangen. Und deswegen haben wir einen Experten dabei, und zwar haben wir hier Professor Christoph Luther. Er ist Leiter der Sektion Sportorthopädie der Orthopädischen Klinik der Universitätsklinik in Rostock, und gerade eben haben wir schon ein bisschen miteinander gesprochen, professor Luther. Wir haben nämlich herausgefunden, dass Sie den Nationalkader im Klettern betreuen, und da sind uns gleich ganz viele Fragen eingefallen. Und vielleicht mal mit der ersten so bei den Kletterern machen die sich eigentlich immer die Hände kaputt, Oder wie ist das eigentlich? Wie ist das mit Sportverletzungen bei so Profikletterern?
Speaker 3:Ja, schönen guten Abend. Das ist vielleicht das, was oftmals der Sportart vorgeworfen wird, dass die Finger leiden und gezogen wird, wie Kletterer sagen, bis die Finger oftmals Knacken oder Schwierigkeiten geben oder mit sich bringen. De facto ist es so. Da gibt es viele ältere Studien mittlerweile, die gezeigt haben, dass tatsächlich die Finger, wenn man diese Sportart sehr, sehr lange betreibt, verschleißerscheinungen zeigen können. Das ist aber in der Regel weniger das, was man im Alltag sieht, gerade bei den Leistungssportlern. Das sind eher die akuten Verletzungen oder Beschwerden im Bereich der Finger, die da die Athleten letztlich zum Arzt oder zur Ärztin treiben. Und auch im Hobby und Freizeitsport sind es eher die akuten Verletzungen im Bereich der Finger oder Handgelenke, die da Beschwerden machen.
Speaker 1:Und was ist so eine typische Verletzung.
Speaker 3:Also, die häufigste Verletzung oder die wahrscheinlich bekannteste Sportverletzung im Kletter und Bouldersport ist die Ringbandstruktur. Das ist eine Verletzung eines Bandapparates, bei dem die Sehnen letztlich durch die hohe Belastung, die auf die Finger wirkt, dazu führt, dass die Sehnen letztlich ein Band oder mehrere Bänder im Finger reißen, und die Verletzung ist durch die Sportart eigentlich erst so richtig bekannt geworden. Also da gibt es eine Publikation aus den End-80er Jahren, da ist es bei Kletterern erstmalig eigentlich beschrieben worden. Man kann sich die Ringbänder natürlich auch in anderen Unfallmechanismen reißen, aber 99 Prozent der Ringbandstrukturen, die auftreten und die heutzutage so in den Arztpraxen und Kliniken gesehen werden, entstehen eigentlich aus dem Klettersport, weil es eben so typisch ist und so hohe Belastungen auf die Finger eigentlich nur in dieser Sportart wirken.
Speaker 2:Ja, das sind ja alles Leute, die richtig ambitioniert sind und so, und die haben das jetzt so vor Augen, man könnte sich da auch das Ringband reißen. Kann man da denn irgendwas tun an Prävention? oder wenn ich jetzt Sportler bin und da so High-End kletter, wie schützt man sich?
Speaker 3:Ja, das ist eine gute Frage, weil einen richtig effektiven Schutz gibt es de facto nicht. Was am besten hilft und wirkt, ist einfach langjähriges Training auf einem gewissen Niveau, weil der Ringbandapparat, also diese Bänder, die passen sich natürlich der Belastung auch an. Und was man im Alltag häufig sieht, sind Patientinnen und Patienten, die zum Arzt oder zu Ärzten kommen mit einer Ringbandstruktur, also einem Riss dieser Ringbänder, die sich innerhalb relativ kurzer Zeit auf ein gewisses Leistungsniveau hochtrainiert haben, die sich innerhalb relativ kurzer Zeit auf ein gewisses Leistungsniveau hochtrainiert haben, und der Muskelapparat ist in dem Fall eigentlich schneller, als die Bänder dieser Belastung nachkommen können. Und dann kommt es oftmals eben zu diesen Ringbandrissen. Im Leistungssport ist es so, dass die Athletinnen und Athleten ab einem gewissen Niveau natürlich schon sehr, sehr lange trainieren und der Ringbandapparat sich entsprechend angepasst hat und mehr Last aufnehmen kann. Aber auch da kommt es hin und wieder natürlich zu Ringbandrissen, zerrungen, überlastungsschäden, die teilweise aber einfach unfallbedingt sind und sich nicht wirklich vermeiden lassen. Also man kann da ein Beispiel nehmen ein Athlet hat einen extrem kleinen Griff in der Hand in einer sehr belastenden Fingerposition, und dann rutschen zum Beispiel die Füße von der Wand weg, und dann kommen so Kraftspitten auf die Finger, und dann kann es eben zu so einem Ringwandriss kommen.
Speaker 3:Das lässt sich nicht immer gänzlich vermeiden. Das ist, wie wenn Sie sagen, ich kann durch Prävention beispielsweise Verletzungen am Kniegelenk reduzieren. Sie werden sie nie ganz ausschalten können, weil es gibt immer dann mal einen Zweikampf, beispielsweise im Fußballsport. Da kommt es zu einem Ereignis, da lässt sich eine Verletzung nicht ganz vermeiden. Aber durch langes Training, intensives Training passt sich eben so ein Ringbandapparat an, und die Verletzungswahrscheinlichkeit geht zurück. Und zudem vielleicht, wenn ich das noch ergänzen darf, ist es natürlich sinnvoll. Das machen Profis oder Leistungssportler natürlich routinemäßig, aber für Hobby und Freizeitsportler ist es eben auch essentiell, dass ein gewisses Warm-up stattfindet, dass man nicht von 0 auf 100 im Klettersport agiert, sondern dass man eben mit gewissen Trainingsroutinen erstmal nicht nur Herz-Kreislauf in Schwung bringt, erstmal nicht nur Herz-Kreislauf in Schwung bringt, sondern eben auch die Finger, die Handgelenke, die Schultern und so weiter, damit da die ja letztlich Ringwänder Beugesehnen und alles, was dazugehört, auch auf Temperatur kommt.
Speaker 1:Das klingt absolut vernünftig, wie bei allen Sportarten. Was ist denn die Hauptklinik? also, wie diagnostizieren Sie da eine Ringwandverletzung? Wie kann man sich das vorstellen? so für denjenigen, der nicht so häufig klettert und Laie ist.
Speaker 3:Also in meiner Praxis ist es so, dass die Patienten eigentlich kommen und mir ihre Diagnose schon sagen. Also die überwiegende Mehrzahl der Athleten kommt und sagt ich glaube, ich habe mir das A2-Ringwand gerissen. Das ist in der Sportart etwas anders, als es in vielen anderen Sportarten ist. Das ist in der Sportart etwas anders, als es in vielen anderen Sportarten ist. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es einereten hat es gegebenenfalls irgendein Ereignis gegeben, und ganz klassischerweise berichten die Sportler dann über so ein ja letztlich Knallen im Finger, also so ein richtiges Knackereignis, das prägend ist, in dem Augenblick zum Einschießen, den Schmerz führt. Und teilweise ist es sogar so, dass sie sagen meine Mitsportler konnten dieses Knacken sogar hören, auch noch meterweit entfernt. Das kann man sich ähnlich vorstellen wie bei einem Achillesseenumschluss. Es gibt es ja zum Beispiel in Sprintsportarten teilweise, dass es so einen richtigen schnalzenden, lauten Knall gibt. Ähnlich ist es auch beim Ringband. Wer so etwas mal erleben will, kann ja mal Ringbandstruktur bei YouTube eingeben. Da gibt es genügend Videos, da kann man sich dieses Knallen oder Knacken anschauen. Also, das ist eindrücklich, und man kann das gut hören.
Speaker 2:Jetzt kommt also ein Profi und hat sich gesagt also pass auf, ich habe mir das A2-Ringband gerissen. Was passiert dann?
Speaker 3:Also, was wir dann machen, ist natürlich erstmal verifizieren, sicherstellen, dass das auch so ist. Es geht mit klinischen Untersuchungen, dann zusätzlich mit bildgebenden Verfahren Da hat sich eigentlich die Sonografie, also ein Ultraschall lassen sich diese Diagnosen dann wirklich erkennen und diagnostizieren. Und dann hängt stark davon ab, welches Ringband ist gerissen, beziehungsweise wie viele Ringbänder sind gerissen. Es gibt fünf Ringbänder am Finger, und in aller Regel reißen davon ein bis drei, Und abhängig, ob es ein oder 2 sind oder dann eben 3, was wir als Massenrupturen bezeichnen, ist die Therapie konservativ. Dann gibt es sogenannte Ringbandschutzringe. das sind so heutzutage 3D gedruckte Ringe, mit denen ein Ringband unterstützend geschient wird so will ich es mal ausdrücken und dann verheilen die in den allermeisten Fällen konservativ sehr, sehr gut. Es gibt aber auch Fälle, wenn wirklich solche Massenrupturen vorliegen. da muss das Ganze operativ versorgt werden. Das sind aber die wenigsten. Also, wir haben in unserer Datenbank mittlerweile circa 4000 Klettersportverletzungen mit Hunderten von Ringbandrissen.
Speaker 2:Und da sind diese operationspflichtigen Massenrupturen doch in der absoluten Unterzahl. Klettersport ist ja vielleicht nicht unbedingt Nischensport, aber es ist doch wesentlich seltener als so die anderen großen Sportarten. Also jetzt mal den Fußball als Beispiel hergenommen, und Sie haben ja in der Klinik ja nicht nur Ihre Kletterer, sondern auch eben andere Sportler. Wenn man sich das jetzt mal vorstellt, was kommt denn so am häufigsten eigentlich da rein?
Speaker 3:Das hängt wahrscheinlich immer stark davon ab, in welchem Setting man sich befindet. Das ist jetzt bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sicherlich anders als in der Klinik und in der Abteilung, in der ich klinisch tätig bin. In meinem Fall ist es so, dass ich Patientinnen und Patienten zugewiesen bekomme, die eine operative Versorgung brauchen. Ich sehe also fast ausschließlich operationswürdige Verletzungen, und die sind meistens von den Kolleginnen und Kollegen schon sehr, sehr gut vorbereitet, diagnostiziert eben mit klinischer Untersuchung, mit bildgebenden Verfahren. Ich würde sagen, in meinem Fall das, was ich am häufigsten sehe, sind Knieverletzungen. Das entspricht eben dem, was auch im Sport insgesamt wahrscheinlich am häufigsten auftritt, Und da sind es insbesondere Bandverletzungen, Kreuzbandverletzungen, Meniskusverletzungen, Knorpelverletzungen. Das sind so die häufigsten Dinge, die ich in meiner täglichen Praxis sehe, Im Sport allgemein Sie haben den Fußball angesprochen natürlich auch sehr, sehr viele Verletzungen des oberen Sprunggelenkes.
Speaker 3:Das ist so der Klassiker Samstag Nachmittag in der Notaufnahme Fußballer wird noch sozusagen mit einem verschwitzten Trikot in die Notaufnahme gebracht. Da, würde ich sagen, ist ein sehr, sehr großer Teil davon Verletzungen des oberen Sprunggelenkes. Die sehe ich in meiner klinischen Tätigkeit relativ wenig, da ich doch eher orthopädisch, sportorthopädisch tätig bin. Da sehe ich meistens, wenn, dann eher die Folgeschäden, also dann chronische Bandschäden am Sprunggelenk oder Knorpelschäden, aber dann mit einer gewissen Latenz zum eigentlichen Unfall.
Speaker 1:Bei den Profisportlern ist es ja häufig so, dass sehr schnell MR-Diagnostik gemacht wird. Ist das überhaupt häufig so schnell notwendig, oder was ist so Ihre Erfahrung, wie Sie sagen, was Sie an Diagnostikfenstern brauchen?
Speaker 3:Relativ schnell davon ausgehen oder routinemäßig davon ausgehen, dass umgehend ein MRT gemacht wird. Zur zeitnahen Diagnosestellung Das ist aber etwas, was man doch differenzierter sehen muss und wo man vom absoluten Profisport millionenschweren Profisport zur normalen medizinischen Versorgung doch etwas differenziert sehen muss, doch etwas differenziert sehen muss. Wenn jeder nach einem Schmerzereignis am Kniegelenk umgehend immer ein MRT bekäme, dann würde das das Gesundheitssystem sicherlich so in der Form nicht verkraften, und es ist auch de facto nicht notwendig. Also, ein sehr, sehr großer Teil der Überlastungsschäden, verletzungen am Kniegelenk, sei es durch den Sport oder sei es auch durch degenerative Veränderungen, no-transcript. Also bei einer Sportverletzung ist es sicherlich sinnvoll, dass im zeitnahen Intervall nach der Sportverletzung ist es de facto so, dass man ein sogenanntes Price-Schema früher hat man dazu Pech-Schema gesagt, wir sagen heutzutage Price dazu.
Speaker 3:Es bedeutet eigentlich immer das Gleiche, nämlich Pause, eis, kompression und Hochlagerung. Also das sind mal so die Dinge, die man nach einer Sportverletzung eigentlich umgehen tun sollte. Das kann jede Trämerin, jeder Trämer, aber sollte sicherlich auch jeder Sportler oder Athlet wissen, dass, wenn es eben zu einem Unfallereignis im Sport kommt, dass man erstmal so die Grundregeln einer Behandlung von einer Sportverletzung befolgt, also erstmal kurz Pause machen, am besten kühlen das Gelenk, das Betroffene hochlagern, vielleicht ein bisschen komprimieren durch eine elastische Binde beispielsweise, und eben nicht direkt wieder zurück in den Sport. Aus ärztlicher Sicht ist dann primär mal die klinische Untersuchung das, was uns weiterbringt. Es geht natürlich am Spielfeldrand, am Mattenrand oder wo auch immer oder zeitnah dann in der Praxis oder der Klinik Darum, erstmal klinisch herauszufinden, was ist denn eigentlich das Problem, was könnte die Verletzung sein? Und dann muss eben die behandelnde Ärztin, der behandelnde Arzt entscheiden, welche diagnostischen Hilfsmittel brauche ich dafür, und da gibt es ja ganz viele verschiedene.
Speaker 2:Was wäre denn, wenn man sich das jetzt so als Patient vorstellt, so das standardisierte Vorgehen? Also man kommt jetzt da zu Ihnen in die Klinik und kommt gerade vom Fußballplatz, und jetzt wird man klinisch untersucht, und wie geht es dann weiter? Also ich kann mir vorstellen, da gibt es ein Röntgenbild und dann doch vielleicht ein MRT. Wenn man jetzt so ein Beispiel Knieverletzung hernimmt, also verdreht auf dem Fußballplatz das Kniegelenk, wie muss man sich vorstellen, was läuft?
Speaker 3:Ja, also, sie hatten es angesprochen Klassischerweise, wenn der Patient wirklich dahingehend Beschwerden hat, dass das akut abgeklärt werden muss, dann stellt er sich ja in aller Regel zeitnah in einer medizinischen Einrichtung vor, und de facto ist es so, dass dann neben der klinischen Untersuchung erstmal eine Röntgendiagnostik notwendig ist. Es gehört eigentlich mit dazu, um knöchelnde Verletzungen auszuschließen. Das sind mal so die Basics, und dann wird, sofern der Patient eben ein Beschwerdebild hat, das entsprechend therapiert werden muss, der eben auszuschließen oder zu beweisen, dass ein vorderer Krogsbandriss beispielsweise oder ein Knorpelschaden oder ein Meniskusriss oder was auch immer vorliegt, aber eben nicht, wie es oftmals so vielleicht der Profisport suggeriert, dass das noch in der gleichen Nacht laufen muss. Das ist definitiv nicht so. Das sind also die absoluten Ausnahmen, wo man zeitnah oder notfallmäßig MRTs fahren muss. Das kennen wir aber eher aus dem Bereich der Wirbelsäulenchirurgie zum Beispiel, aber sicher nicht aus dem Bereich der Kniechirurgie, oder da wirklich nur in den absoluten Ausnahmesituationen. Kniechirurgie, oder da wirklich nur in den absoluten.
Speaker 1:Ausnahmesituationen Ja, ich würde das ergänzen aus der Praxis jetzt Wir machen auch eben unverschobische Versorgungen in der Praxis, und wir haben teilweise sogar Knieverletzungen, die nach einer Woche fast nicht mehr problematisch sind, sodass man dann eben wirklich die Diagnostik im Prinzip gar nicht mehr initiieren muss, weil dann die erste Diagnostik abgeschlossen und das Akuttrauma abgeheilt ist, und dem Knie geht es gut, dem Patienten geht es gut, und dann ist sozusagen eine weitere Diagnostik nicht notwendig, und die landen gar nicht erst in der Klinik.
Speaker 3:Also sozusagen deswegen das ist, glaube ich, auch der zeitliche Faktor, deswegen habe ich so kritisch gefragt- Absolut Kann ich nur voll und ganz unterstützen, und es ist sicherlich so, und das ist was, was man so in einer operativen Tätigkeit in der Klinik natürlich gar nicht mitbekommt. Aber das ist ja das, was ich meinte, dass eben nicht jede Verletzung immer zeitnah oder super zeitnah eine Bildgebung oder ein MRT braucht, weil eben die allermeisten oder ein Großteil der Verletzungen eben zeitlich selbst limitiert ist und eben innerhalb relativ kurzer Zeit weitgehend folgenlos aushält, ohne dass man weitere Bildgebung dafür braucht.
Speaker 1:Sie haben eben gesagt, es gibt häufig natürlich Meniskus und Kreuzbandverletzungen. Dazu hatten wir schon mal so ein bisschen Podcast. Was kommt denn noch häufig im Kniegelenk vor? Erzählen Sie mal so ein bisschen, was so Ihr Alltag ist, was Sie am häufigsten am Kniegelenk versorgen. Ich glaube, das ist spannend für uns alle zu hören.
Speaker 3:Von der Häufigkeit her sind sicherlich die Bandverletzungen und Verletzungen oder Schäden an den Menisken, die sehr, sehr häufig sind, und dann sind des Weiteren letztlich Knorpelschäden, sei es akute Knorpelschäden oder auch teilweise sportbedingte komische Schäden am Gelenkknorpel, häufig. Man muss zusätzlich noch sagen, das Kniegelenk besteht ja aus verschiedenen Kompartimenten, also verschiedenen Teilen. Neben dem letztlich gelenktragenden Teil, bei dem der Oberschenkelknochen und der Unterschenkelknochen miteinander ein Gelenk bilden, gibt es da ja noch das Gelenk zwischen der Kniescheibe und der Laufrinne am Oberschenkel, das sogenannte Patellofemoralgelenk. Und wir sehen schon auch viele, ich würde sogar sagen, sehr viele Schäden, die die Kniescheibe und die Kniescheibenstabilität betreffen. Das kann beispielsweise mal eine Athletung sein, die beim Turnen doof aufs Knie gefallen ist und sich dabei die Kniescheibe ausgewendet hat.
Speaker 3:Also die Kniescheibe springt in solchen traumatischen Fällen dann oftmals nach außen aus ihrer Gelenkführung heraus. Es können aber auch so chronische Instabilitäten sein. Also Athletinnen oder Athleten, die berichten, ich habe eigentlich seit Jahren immer wieder Beschwerden. Ich habe immer das Gefühl, meine Kniescheibe ist nicht stabil. Ich kann gar nicht so wirklich meine Sportart mit klarem Kopf ausführen, weil ich so Angst oder so ein Instabilitätsgefühl rund um meine Kniescheibe habe. Also auch diese Fälle sehe ich relativ häufig im klinischen Alltag.
Speaker 1:Wie ist da so Ihr Behandlungsalgorithmus? Wie gehen Sie systematisch vor? Wie?
Speaker 3:ist da so Ihr Behandlungsalgorithmus? Wie gehen Sie systematisch vor? Das hängt ein bisschen davon ab, ob es jetzt eine erstmalige Luxation ist, also ob der Athlet oder die Athletin berichtet das war das allererste Mal, ich hatte nie Probleme, ich habe einen Schlag gegen das Knie bekommen, dabei ist mir die Kniescheibe rausgesprungen oder ob es wirklich eben so ein beschriebener Fall ist, bei dem seit Jahren oder Monaten immer wieder solche Ereignisse auftreten. Es gibt heutzutage da sehr, sehr gute Scores, also so Klassifizierungseinteilungen, die wir nutzen können, um gerade bei diesen Erstereignissen zu differenzieren ist es eine Verletzung, ein Schaden, den wir operativ behandeln müssen, oder den wir konservativ, also ohne, ohne Operation behandeln können? Da gibt es verschiedene Einflussfaktoren, die da mit reinspielen, beispielsweise das Alter, das Geschlecht, dann die Formgebung und so weiter.
Speaker 3:Es gibt einen ganzen Satz an Parametern, die wir dafür uns anschauen und dann entscheiden kann man nach dieser erstmaligen Luxation, also diesem erstmaligen Ereignis, das Ganze ohne Operation behandeln, was oftmals gut möglich ist, oder muss man diesen Fall dann doch gleich operieren? Solche Fälle gibt es auch. Es gibt beispielsweise Ereignisse, da springt die Kniescheibe raus, und dabei bricht ein großes Stück Knorpel aus der Rückfläche der Kniescheibe heraus. Das ist eine klare OP-Indikation beispielsweise. Es gibt aber auch Fälle, da geht relativ wenig kaputt, und die Scores zeigen ein geringes Risiko für ein Wiederauftreten dieser Ereignisse an. Dann würde man das Ganze erstmal konservativ behandeln, beispielsweise mit einer Bandage, einer Schiene, die die Kniescheibe zusätzlich etwas stabilisiert, und dann einem entsprechenden Nachbehandlungsschema, das erstmal das Knie, das dann oft ja anschwillt, das gereizt ist, erstmal wieder ein bisschen da zu einer Beruhigung führt, und dann würde man das Ganze ohne Operation erstmal behandeln und schauen, wie sich es entwickelt.
Speaker 2:Wenn wir mal vom Knie weiter weggehen. Wir haben eben gerade Luxation, also etwas kugelt aus. Die Schultern kugeln ja auch immer ziemlich häufig aus. Was gibt es denn dazu aus sportorthopädischer Sicht zu sagen?
Speaker 3:no-transcript. Gelenkpfanne am Schultergelenk ist etwas, was im Sport doch mitunter auftritt und was für einen Patienten oft ähnlich wie beim Kniegelenk ein ganz traumatisches Ereignis ist. Nicht immer springt die Schulter gleich wieder von allein rein, oder sogar eigentlich relativ oftmals ist da wirklich dann ein Notarzt notwendig. Es kann sehr, sehr schmerzhaft für den Betroffenen oder die Betroffene sein, oft dann erst in der Notaufnahme. Das ist so, dass das Gelenk wieder in die eigentliche Position zurückgeführt werden kann. Also relativ ungünstige Situation für die Athleten und eigentlich auch für die Schulter, weil in so einem Ereignis an der Schulter doch auch einiges kaputt gehen kann. Nicht immer muss, aber oftmals doch mit Schäden am Schultergelenk und an der Gelenklippe der Schulter einhergehend.
Speaker 2:Und wenn jetzt so ein Patient mit ausgekugelter Schulter kommt, dann wird die wahrscheinlich erstmal eingerenkt. So machen wir das. Das wird ja bei Ihnen auch so sein. Aber dann stellt sich ja die Frage okay, was muss man tun? Kann man das noch konservativ behandeln, oder muss man da wirklich ran mit einer Operation? Wie sind da die Algorithmen?
Speaker 3:Rhythmen. Ja, also, auch da ist es so das ist ja in der Akutsituation wieder etwas das hat wir vorhin schon mal besprochen was man mit einer Röntgendiagnostik zusätzlich untersucht und dann auch nach dem Reponieren natürlich nochmal mit einem Röntgenbild sich auch anschaut, dass die Schulter wirklich da steht, wo sie stehen soll. Wir machen es in fast allen Fällen tatsächlich schon so, dass die Athleten oder die Patienten im Nachgang eine MRT-Diagnostik bekommen, weil wir genau sehen wollen, was an der Schulter wie kaputt gegangen ist. Man muss da ein bisschen differenzieren. Es gibt hier und da auch Athleten oder Patienten, die berichten, sie hatten schon 30 Schotterluxationen in den letzten Jahren und Monaten. Die haben gar keine Lust, schon wieder ein MRT zu machen. Die sagen nein, danke, ich gehe wieder nach Hause, alles gut.
Speaker 3:Aber klassischerweise nach einer Schulterluxation braucht man ein MRT im Verlauf, weil man sich eben die weichteiligen Strukturen der Schulter, aber auch die Knochen natürlich anschauen will, sehen will, was ist kaputt gegangen, und dann auch zu entscheiden, wie hoch ist denn das Risiko, dass das wieder auftritt. Und muss man oder sollte man durch ein operatives stabilisierendes Verfahren die Schulter daran hindern, in den Folgemonaten und Jahren eben wieder rauszuspringen, weil man weiß, dass jedes zusätzliche Ereignis einer solchen Schulterluxation eben zu weiteren Schäden oder zu einer Verstärkung der Schäden führen kann. Da muss man natürlich differenzieren. Ist das jetzt eine 16-jährige Handballerin oder ist das ein 65-jähriger Skifahrer, der sich erstmalig die Schulter luxiert hat? Demnach wird dann im Nachgang natürlich schon differenziert, bei wem jetzt eine OP-Indikation vorliegt oder nicht. Aber de facto machen wir es so, dass wir eine Schnittbildgebung, also eine MRT-Diagnostik machen.
Speaker 3:In den Fällen ist es teilweise ganz gut, wenn man das relativ zeitnah macht, warum, wenn eine Schulter luxiert, ist das ein gewisses Ereignis, ein belastendes Ereignis für die Schulter. Teilweise blutet es da ein bisschen ein, es bildet sich ein Erguss, ein Reizerguss in der Schulter, und diese Flüssigkeit im Gelenk kann man ganz gut nutzen als Kontrastverstärker in dieser MRT-Diagnostik. In chronischen Fällen, wenn Sie kaum Flüssigkeit oder Blut im Gelenk haben, ist es mitunter notwendig, dass die Kolleginnen und Kollegen der Radiologie noch zusätzlich Kontrastmittel in die Schulter spritzen. Vor so einer Bildgebung an der Schulter, also so einem MRT Aber in der überwiegenden Mehrzahl würde ich sagen geht es anfangs wahrscheinlich, ohne dass man so ein aufwendiges MRT-Verfahren macht, eigentlich ohne dass man so ein aufwendiges MRT-Verfahren macht.
Speaker 1:Wie gesagt, da ist eben, wenn es noch einigermaßen frisch ist, diese Verletzung ein MRT oftmals sehr, sehr gut qualitativ, einfach, weil noch ein bisschen Flüssigkeit oder Blut in der Schulter ist. No-transcript vorne abschlagen. Aber was ist denn so das häufigste Verletzungsmuster, was man in der Schulter sieht? Und wie wäre denn da so der Algorithmus, dass man das vielleicht einmal so für die Patienten und Zuhörer einmal plastisch darstellt, was dann da mit der Schulter passiert und warum das wieder operiert werden muss oder eben auch nicht? Das fände ich jetzt nochmal ganz hilfreich.
Speaker 3:Also, man kann sich das Ganze so vorstellen, dass die Schulter im Vergleich zur Hüfte anatomisch zwar ähnlich, aber doch sehr anders aufgebaut ist. Bei der Hüfte ist es so Sie haben einen Hüftkopf, der von einer Hüftfalle sehr, sehr weit überdeckt ist. Bei der Schulter ist es etwas anders. Sie haben eine Gelenkpfanne, die sehr, sehr flach ist Man kann sich das in etwa so vorstellen wie ein Teelöffel, und Sie haben einen Oberarmkopf, der im Verhältnis sehr groß ist, also beispielsweise Golfball groß oder Mandarinen groß, und das Größenverhältnis ist an der schulter deutlich schlechter.
Speaker 3:Und um dieses größenverhältnis etwas zu optimieren und den oberarm kopf gut in der gelenkpanne zu positionieren, gibt es an der schulter auch wie an der hüfte, aber an der schulter ist es eben besonders wichtig eine gelenklippe.
Speaker 3:Ich erkläre meinen patienten immer das ist so ein bisschen wie so ein saurer apfelring, der einmal um diese nöcherne Struktur zusätzlich aufgespannt ist, wie so ein Fahrradschlauch auf dem Laufrad eines Fahrrads, und das führt dazu, dass sich durch die zusätzlich im Gelenk befindliche Flüssigkeit so eine Art Unterdruck zwischen diesem Golfball und diesem Teelöffel bildet.
Speaker 3:Und wenn die Schulter jetzt auskugelt, also dieser Oberarmkopf, den Sie gerade besprochen hatten, nach vorne, beispielsweise vorne unten über diesen sauren Apfelring und über diesen Teelöffel drüber schrubbt, dann ist es oft so, dass dieser saure Apfelring von diesem Teelöffel abgezogen und abgerissen wird oder der Fahrradschlauch vom Reifen, wie auch immer man es nennen will und dadurch dieser saubere Abfüllring nicht mehr mit diesem Teelöffel verbunden ist, und dadurch kann dieser Unterdruck in der Schulter dieses Vakuumphänomen einfach nicht mehr aufbauen, und die Schulter wird dadurch im stabiler, und das kann einhergehen mit dem, was Sie angesprochen hatten, dass dann der Oberarmkopf auch noch gegen diesen Teelöffel in der ungünstigen Position schlägt und sich so eine Delle bildet, diese Hilsachsdelle. Das ist aber nicht zwing zu führen oder chirurgisch herzustellen, dass der Apfelring wieder schön auf dem Teelöffel sitzt und sich dieser Unterdruck wieder schön ausbilden kann. Also, das ist jetzt vielleicht mal so die bildhafte Darstellung von dem, was ich da so meinen Patienten erkläre, bevor ich so eine OP durchführe.
Speaker 2:Ja, das war ja eine wunderbare Beschreibung. Ich glaube, das werde ich mir auch merken für die nächste Sprechstunde, wenn ich wieder einen Patienten habe, der luxiert. ist der saure Apfelring, das ist wirklich eine tolle Beschreibung. Ja Mensch, ich glaube, wir könnten ewig so weitermachen. Wir haben so viele Verletzungen und Sportarten, wo immer wieder was anderes passiert, aber so die ganz großen Sachen Knie und Schulter haben wir schon angesprochen, und eben hier was ganz Besonderes, die Verletzungen beim Klettern. Heute ist unser Gast Professor Christoph Luther. Ich glaube, wir könnten wirklich noch weitermachen. Katharina, was wäre denn deine? hast du noch eine brennende Frage an Professor Luther, so aus dem Sportthema, die wir ihm noch stellen möchten? Ich glaube, wir machen nochmal eine neue Sendung.
Speaker 1:Das habe ich auch gedacht. Wir können eigentlich nochmal eine Sendung Nummer zwei machen. Sportverletzungen, Klappe die zweite. Nee, wunderbar, ich fand es super gut. Gibt es denn irgendwie eine Lieblingsverletzung, die Sie haben und die Sie vielleicht auch jemandem oder unseren Zuhörern mit auf den Weg geben können, die man auch vielleicht gut vermeiden kann? Also vielleicht Lieblings-OP-Verletzungen und Lieblings-vermeidbare Verletzungen?
Speaker 3:Aus preventiver sportorthopädischer Sicht sind sicherlich sehr, sehr viele Verletzungen präventiv gut anzugehen, und die Verletzungshäufigkeit lässt sich auf enorm viele Verletzungen oder bei enorm vielen Verletzungen deutlich reduzieren durch regelmäßige sportliche Betätigung, gutes Aufwärmen, gesunde Ernährung und so weiter. Also, präventives Denken rund um den Sport ist was, was mir schon am Herzen liegt. Aber ich habe jetzt keine Verletzung, bei der ich sage, das ist meine meistgeliebte gut präventiv zu vermeidende Verletzung.
Speaker 2:Wir können ja das aufheben für die nächste Sendung. Vielleicht kommen Sie dann doch noch mit irgendeiner an. wenn Sie dann im klinischen Alltag plötzlich merken ach nee, das könnte man doch vielleicht ganz gut präventiv hier adressieren. Also heute bei uns im Gast bei OrthoCast Professor Christoph Luther, der Leiter der Sektion Sportorthopädie der Orthopädischen Klinik des Universitätsklinikums Rostock, es war mir ein Fest. Vielen lieben Dank für die tollen Ausführungen. Danke auch, hat Spaß gemacht.
Speaker 2:Katharina, das war wieder eine super Sendung. Sportorthopädie, so ein weites Feld. Ich glaube, wir machen noch mal eine zweite Sendung. Wir wollen uns ganz herzlich bedanken bei Linda Planert, die uns hilft beim Schneiden, und natürlich Jörg Ansorg, unserem Boss sozusagen. Und vielen herzlichen Dank auch für die Zuhörer. Ich hoffe, es hat Spaß gemacht. Wir wünschen Mast und Schotbruch, Und in Hamburg sagt man Tschüss.