OrthoCast - Der Orthinform Podcast

Warum Kurzschaftprothesen Hüften schonen und OPs smarter machen

Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) Season 3 Episode 6

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Eine Hüftprothese, die kürzer ist, aber mehr kann? Wir nehmen dich mit zu einer klaren, praxisnahen Reise durch die Welt der Kurzschaftprothesen – vom ersten Mythos („hält das überhaupt?“) bis zur realen Wirkung im OP und in der Reha. Gemeinsam mit Prof. Karl Philipp Kutzner, ausgewiesener Experte für Hüft- und Knieendoprothetik, zeigen wir, warum die kalkargeführten, rund-konischen Designs für viele Patientinnen und Patienten echte Vorteile bringen: weniger Weichteiltrauma, besserer Erhalt des hüftnahen Knochens und eine präzisere Rekonstruktion der individuellen Anatomie.

Wir sprechen offen über Registerdaten, Haltbarkeit und Komplikationen und erklären, warum Kurzschaft nicht Mode, sondern Logik der Lastübertragung ist. Du erfährst, wie minimalinvasive Zugänge mit Kurzschäften zusammenspielen, weshalb das Frakturrisiko sinkt und wie sich dadurch Operationsabläufe vereinfachen lassen. 

Dazu kommen klare Kriterien für die Wahl zwischen zementfreier und zementierter Prothese: Wo bietet der metaphysäre Sitz Sicherheit, und wann überwiegen bei Osteoporose oder hohem Alter die Vorteile der Zementierung? 

Auch Revisionen in der Hüftendoprothetik beleuchten wir differenziert – vom erneuten Kurzschaft bis zum Wechsel auf Standarddesigns, immer mit Blick auf Knochenerhalt und Stabilität.

Für den Alltag zählt das Ergebnis: Fast-Track-Konzepte mit abgestimmter Anästhesie, smarter Schmerztherapie und früher Mobilisation bringen viele Betroffene noch am OP-Tag auf die Beine. Nach sechs bis zehn Wochen öffnet sich die Tür zurück zu Sport und Aktivität, abgestimmt auf Belastung und Erfahrung. 

Der Blick nach vorn ist deutlich: Der Kurzschaft wird für viele zur ersten Wahl und könnte sich zum neuen Standard entwickeln – nicht aus Trendgründen, sondern weil er Funktion, Schonung und Zukunftsoptionen verbindet. 

Hör rein, teile die Folge mit Menschen, die vor einer Hüft-OP stehen, und sag uns: Welche Frage zur Hüftprothese sollen wir als Nächstes klären? Abonniere den Podcast, bewerte uns und schicke die Folge an jemanden, dem sie heute Mut machen kann.

Music under CC License:
Artist: Jahzzar, Track: Blueprint (License: CC BY-SA 4.0 DEED)
Artist: Breuss Arrizabalaga Quintet, Track: Mount Fuji (License: CC PD)

Speaker 1:

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Orthocast.

Speaker 2:

Mein Name ist Robert Hudeck und mein Name ist Katharina Döpfer. Wir sind beides Orthopäden aus Hamburg, und wir haben heute die spannende Frage was hat ein Minirock in der Orthopädie zu suchen?

Speaker 1:

Und dazu haben wir einen richtig guten Experten eingeladen, professor Karl Philipp Kutzner vom Endoprothetikum Rhein-Main in Mainz. Er ist ausgewiesener Experte für Hüft und Knieendoprothetik und hat auch sehr viel wissenschaftliche Arbeiten gemacht zu einem Thema, was wir heute bearbeiten wollen, und zwar nennt sich das Kurzschaftprothesen, kurzschaft vor allem an der Hüfte, hier in diesem Fall, und da geht gleich die erste Frage an den Professor Kutzner Kurzschaftprothesen. Ist das so ein bisschen wie mit dem Minirock, weil der irgendwie schick ist, oder so Macht man es deshalb, oder hat der kurze Schaff denn auch irgendwelche Vorteile? Warum macht man das eigentlich?

Speaker 3:

Ja, zunächst mal vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich total auf das Gespräch, und wie es eingangs schon durchgeklungen ist, ist das tatsächlich so meine Herzensangelegenheit eigentlich. Also, ich bin ein totaler Kurzschaft-Enthusiast, und das ist schon ein bisschen länger so. Das ist die letzten 15 Jahre eines meiner Hauptthemen gewesen, um die ich mich eigentlich wissenschaftlich, aber auch klinisch so ein bisschen gekümmert und mit beschäftigt habe. Und ja, minirock, man hat mal irgendwann gesagt, der Kurzschaft ist auch der Sportwagen der Hüftprothesen. Also, am Ende ist es so natürlich, der ist ein bisschen kleiner, der ist ein bisschen runder, der sieht ein bisschen anders aus als die herkömmlichen oder die Standardimplantate. Insofern könnte man schon von einem Sportwagen sprechen. Jetzt ist natürlich die Frage warum kommt es dazu, dass man jetzt eher einen Sportwagen entwickeln möchte? und am Ende hat das vielleicht auch eine gleiche Analogie.

Speaker 3:

Also die Standardimplantate, die wir eigentlich jetzt so über viele Jahrzehnte kennen, standardprothesen oder auch Geradschäfte, die haben quasi gewisse Nachteile gezeigt. Also das Problem, was wir haben wir haben in der Hüftenendoprothetik eine sehr erfolgreiche Operation, und trotzdem haben wir quasi sowohl was die Materialien betrifft und den Abrieb betrifft, irgendwo ein Hauptthema, was wir, wenn wir darüber nachdenken, verbesserungen zu erreichen für diese doch schon erfolgreiche Operation, was wir letztlich verbessern müssen. Und dann haben wir gesehen, dass Geradschaftprothesen, die quasi in der Röhre des Knochens also wir haben quasi im Oberschenkelknochen, haben wir in der Mitte eine Röhre, und oben gibt es natürlich den Hüftkopf, das ist so ziemlich das obere Ende des Oberschenkelknochens, und dann gibt es quasi unten am Knie das untere Ende des Oberschenkelknochens, und dazwischen ist diese Röhre, und die meisten Implantate der Vergangenheit, so will ich sie mal nennen, die verankern quasi in dieser Röhre. Das sind eher gerade Prothesen, und das hat dann immer wieder zu Nachteilen geführt, oder anders gesagt, das führt auch heute noch zu Nachteilen, weil wir natürlich heute teilweise Hüftprothesen wechseln müssen, die vom alten Schlag sind, sozusagen Also Standardprothesen von damals, die vielleicht vor 25 oder 30 Jahren eingebaut wurden, und was wir sehen, ist eigentlich, dass wir also unser Hauptwerkstoff in der orthopädischen Chirurgie ist ja der Knochen, und wenn wir eine Prothese wechseln müssen, dann brauchen wir natürlich noch gesunden Knochen.

Speaker 3:

Und das Problem, was wir sehen, ist, wenn wir die Last übertragen auf einen bestimmten Teil des Knochens, und zwar in diesem Röhrenteil, dann wird die Natur dafür sorgen über die Zeit leider, dass oben in dem Bereich hüftgelenksnah, also da, wo eigentlich mal der Hüftkopf war, und da, wo auch die ganzen wichtigen Muskulaturen, quasi die Lastübertragung im Knochen nicht so sehr in der Röhre stattfinden zu lassen, sondern eben genau in dem oberen Teil des Knochens, also da, wo die Muskeln ansetzen, und eben ein Implantat zu entwickeln, was kürzer ist, was in der sogenannten Metaphüse verankert, der sogenannten Metaphüse verankert. Und das ging schon relativ früh los, dass man sich das so überlegt hat. Das war tatsächlich Ende der 80er Jahre, wo dann ein erstes Kurzschaft-Implantat in den USA entwickelt wurde von einem ganz bekannten Chirurgen, und das hat sich damals noch nicht so richtig gut durchgesetzt, aber die Idee war letztlich geboren, dass man versucht, kürzer zu werden und diese Verankerung an einer anderen Stelle zu machen. Und daraus ist eigentlich jetzt entstanden, dass wir ja so seit ungefähr 15, 16, 17 Jahren eine Reihe von neuen Implantat-Designs entwickeln konnten oder sich entwickelt haben von verschiedenen Herstellern, die genau dieses Problem letztlich adressieren und versuchen zu lösen. Also, das geht nie mehr in der Kurzschaft Endoprothetik eigentlich.

Speaker 3:

Also das theoretische Ziel war, den Knochen zu erhalten, und zwar über einen langen Zeitraum, dass, wenn wir quasi diese Prothesen in 20, 30, 40 Jahren, wann auch immer wir die vielleicht nochmal tauschen müssen, dass wir dann einen Knochenstock haben, genau da, wo wir ihn quasi brauchen, der noch wirklich gesund ist, und wo wir quasi nicht fürchten müssen, dass, wenn wir diese Prothese entfernen, dass uns dann am Ende alles auseinanderfällt. Das ist nämlich die große Gefahr. Wenn wir osteoporotischen Knochen oder abgebauten Knochen an der Stelle haben, der keine Last mehr getragen hat, dann haben wir Schwierigkeiten, solche Hüftprothesen gut zu revidieren. Und das war eigentlich die naja, die Geburtsstunde eines solchen kurzen Implantats.

Speaker 2:

Ich finde das ja total spannend. Osteoporose ist ja mein Thema Insofern am liebsten würde ich da einhaken, Aber ich wollte nochmal ganz kurz einen kleinen Schritt zurückgehen In der Analyse. Vielleicht noch eine kleine Anmerkung an unsere Zuhörer Wir haben ja alle Endoprothesen in einem Register. Können Sie vielleicht dadurch nochmal ein bisschen was dazu sagen, wie wir das überhaupt rauskriegen, was für unterschiedliche Prothesentypen welche Schwierigkeiten vielleicht möglicherweise haben? weil sonst hat man vielleicht Sorge. Okay, ich habe vielleicht eine Gradschaftprothese, dann muss ich die jetzt austauschen, Oder wie geht man damit einmal um? Das wäre die erste Frage, Und die zweite Frage wäre natürlich ich würde gleich in das Thema reintauchen Was gibt es denn an verschiedenen Kurzschaftprothesen? Was sind denn da so die Vor und die Nachteile? Es gibt ja auch nicht nur den einen Typ, sondern es gibt ja auch da Unterschiede. Vielleicht wäre das auch nochmal dann so. Die Überleitung zum nächsten Thema.

Speaker 3:

Also ich glaube, das ist eine ganz wichtige Frage, um Gottes Willen. Also, wir reden ja von Standardimplantaten bei diesen Geradschäen. Das heißt, allein der Name impliziert ja schon, dass das nicht die Ausnahme ist, und Menschen, die ein solches Implantat in sich tragen, müssen sich auf keinen Fall jetzt sofort Sorgen machen darüber, dass in irgendeiner Form eine Komplikation bedeuten kann, oder so. Es geht einfach nur darum, quasi bestimmte Nachteile, die sich vielleicht nach vielen Jahren zeigen können, zu verbessern. Das heißt, das ist nicht, wo man jetzt in Panik verfallen muss oder sowas. Am Ende gibt es natürlich Röntgenkontrollen, die man macht. Wenn man schon so ein Gelenk für 20, 30 Jahre hat, dann kann man durchaus mal beim Orthopäden vorstellig werden und sich das mal anschauen.

Speaker 3:

Und im Zweifel, wenn sich wirklich mal was lockert, dann ist es eben so, dass wir das der Hintergrund war für ein neues Implantat-Design, was man entwickelt. Und jetzt ist aber im Nachhinein wir sind jetzt 15 Jahre später, im Grunde haben wir eigentlich das Gefühl naja, da haben sich ganz andere Vorteile entwickelt. Die, glaube ich und ich war zumindest mit einem Design so ein bisschen naja, ich war zumindest sehr nah dabei Ich glaube, dass eigentlich diese Vorteile, die wir heute sehen, uns noch gar nicht so bewusst waren. Also, es gibt zum Beispiel heute etwas, was sehr, sehr wichtig in der Hüftenoprothetik ist, das sind minimalinvasive Techniken oder minimalinvasive Zugänge. Und die sind ungefähr zur selben Zeit entstanden, als ich damals meine Ausbildung 2008 begonnen habe. Da ging das so los, dass man quasi auf jeden Fall minimal invasiv operieren wollte, und zeitgleich kamen dann eben auch vermehrt Kurzschaftprothesen. Wir hatten auch vorher schon Kurzschaftprothesen, aber nicht in dieser Frequenz.

Speaker 3:

Und das, was heute eigentlich so interessant, ist, dass damals nicht klar war, dass natürlich ein kurzer Runderschaff viel einfacher, am Ende das Weichteilgewebe und all die Dinge, die wir eigentlich durch die minimalen invasiven Techniken schonen wollen, auch schon. Das heißt, wir haben am Ende einen riesen Vorteil, den wir heute sehen. Den haben wir vielleicht gar nicht so initial im Kalkül gehabt. Also, wir wussten eigentlich initial noch gar nicht, dass das ein großer Vorteil werden könnte.

Speaker 3:

Und ehrlich gesagt, wenn ich heute operiere und habe mal ausnahmsweise es kommt relativ selten vor heute ein Standardimplantat in der Hand, dann habe ich immer das Gefühl oh, das ist deutlich schwieriger. Ich mache deutlich mich muss deutlich mehr releasen, also Muskeln ein Stück weit weicher bekommen, ein Stück weit vielleicht sogar mal irgendwo einkerben, was ich am Ende überhaupt nicht will. Und das geht mit einem kurzen runden Implantat viel, viel besser. Das heißt, das ist ein maßgeblicher Vorteil heute, den wir sehen und den viele Chirurgen, die jetzt mit dem vorderen Zugang oder mit dem minimalinvasiven vorderen seitlichen Zugang jeden Tag hantieren, die das auch immer wieder bestätigen, dass es einfach einfacher mit einem kurzen runden Implantat an der Muskulatur vorbeizukommen. Am Ende ist es auch so, dass wir natürlich am Knochen oben, da, wo die Muskeln ansetzen, auch immer ein gewisses Risiko hatten, dass wir während der Operation den Knochen abbrechen.

Speaker 3:

Das ist bei einem großen Implantat, bei einem langen Implantat, was quasi gerade in den Knochen eingebracht werden muss und was etwas ausladender ist, in dem Bereich des großen Rollhügels. Da ist das Risiko naja, früher zumindest gar nicht unerheblich gewesen, und so ein Abbruch des großen Rollhügels, da, wo die Muskulatur dran hängt, das hat für die Patienten oft eine ganz naja, eine negative Konsequenz gehabt, und das können wir heute nahezu vollständig vermeiden, weil wir eigentlich an diese Region des Knochens dort gar nicht mehr rangehen. Wir haben dieses kurze Implantat, dieses runde Implantat und schieben das quasi einfach über den Schenkelhals, ohne überhaupt an diesen großen Rollhügel zu kommen. Das ist eben ein großer Vorteil.

Speaker 3:

Es gibt tatsächlich noch andere Punkte, die jetzt so über die letzten Jahre eigentlich immer klarer geworden sind, und zwar ist es so, dass man ein kurzes rundes Implantat viel einfacher oder viel besser individuell implantieren kann. Also man kann sich das vorstellen, ein längeres, gerades Implantat in einen Knochen zu bekommen. Das ist mitunter schwierig, weil der Knochen ist nicht immer ganz gerade. Es gibt zum Beispiel so einen kleinen Knick zwischen Schenkelhals und Oberschenkelröhre, und wenn man jetzt eine Geradschaft versucht, über diesen Knick zu bekommen, dann gibt es meistens nur einen Weg, aber Sie kriegen den nicht irgendwie noch ein klein bisschen anders gesetzt.

Speaker 3:

Und das ist bei einem kurzen Implantat und auch bei einem abgerundeten Implantat deutlich leichter, dass wir bestimmte anatomische Voraussetzungen oder anatomische Situationen die Patienten eben mitbringen nicht jeder Mensch ist gleich, wir sehen alle ein bisschen anders aus dass wir die eben viel besser mit einem kurzen, runden Implantat rekonstruieren können. Also, wir können am Ende viel besser die Anatomie nachbilden, und das hat möglicherweise Vorteile, was die Funktion betrifft. Wenn wir die Anatomie ändern, dann müssen sich Patienten immer mühsam daran anpassen am Ende. Es gibt natürlich auch Situationen, wo wir mutwillig die Situation ändern wollen, weil sie vielleicht vorher pathologisch war. Aber am Ende ist es häufig so, dass wir die Anatomien möglichst nicht ändern wollen, damit die Menschen eben sehr schnell nach der Operation wieder zurechtkommen, und das ist eine Eigenschaft, die eigentlich vor allem diese runden Kurzschaftprothesen haben. Die Frage kam eben auf gibt es eben Unterschiede.

Speaker 3:

Die anfänglichen Kurzschaftprothesen, die waren eher noch in einem relativ geraden Design, und das, was wir heute eigentlich als eines der erfolgreichsten Schaftimplantate sehen, das sind die sogenannten Kalkar-geführten Schäfte, und die sind eben rund. Also der Kalkar ist quasi diese Rundung des Schenkelhalses, oben an der hüftnahen Stelle des Oberschenkelknochens, und wir drehen quasi dieses runde Implantat über diese Rundung in den Knochen ein, und das ist die Kalkar-geführte Endoprothetik oder Kurzschaftendoprothetik. Und diese, die hat sich eben jetzt so über die letzten Jahre im Prinzip zehn Jahre wirklich enorm durchgesetzt. Naja, jahre im Prinzip zehn Jahre wirklich enorm durchgesetzt. Auch und auch das ist ja eben angesprochen worden wegen der Registerdaten, die wir durchaus ja haben, und da sehen wir eben Unterschiede, no-transcript sehen wir eben deutlich weniger, auch Komplikationen und Schwierigkeiten in den Registern, und das führt am Ende dazu, dass jetzt über die letzten fünf, sechs, sieben Jahre diese Kurzschaftprothesen immer weiter verbreitet sind, und immer mehr Kollegen nehmen quasi dieses Thema für sich auf und wechseln am Ende von einem Standardimplantat, so wie wir es früher genannt haben, eine Geradschaftprothese eben auf diese Kurzschaftprothesen.

Speaker 3:

Und das ist natürlich jetzt aus meiner Sicht eine schöne Sache, weil ich eigentlich von Anfang an davon überzeugt war, dass das eine gute Verbesserung darstellen kann, und mittlerweile sind wir glaube ich, können wir sehr wohl davon überzeugt sein, also alle, dass wir zumindest eine interessante gute Möglichkeit haben, patienten noch ein Stück weit anders zu versorgen als mit den heute immer noch sogenannten Standardimplantaten.

Speaker 1:

Ja, das ist eine schöne Entwicklung eigentlich. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Patienten und Zuhörer, die uns jetzt vielleicht hören, sich fragen ja, Moment mal, also Standardschaft oder Langerschaft und Kurzschaft, der kurze hält der denn überhaupt? Also, wenn ich eine lange Schraube in die Wand bohre, dann hält der ja wohl mal besser, als wenn ich nur so ein kleines Schräubchen reinmache. Was hat es damit?

Speaker 3:

auf sich. Ja, das ist genau so, und das ist eine ganz klassische Reaktion am Ende. Und das ist natürlich die Frage gewesen, die wir uns damals auch stellen mussten. Also, man kann ja immer schöne Ideen haben, wie man vielleicht den einen oder anderen Vorteil erreichen kann, aber man muss natürlich auch die Nachteile im Blick haben, und das war natürlich der erste Punkt eines möglichen Nachteils. Ja, wir haben irgendwie ein kürzeres Implantat. Das ist ja auch eine kürzere Verankerungsstrecke. Am Ende wissen wir, bei einem zementfreien Implantat muss der Knochen ja in das Implantat einwachsen, und wenn das quasi auf einer kürzeren Strecke passiert, funktioniert das überhaupt, hält das? Das Schöne ist? wir wissen heute ja, das hält. Das hat natürlich auch Gründe. Also, ein kurzes, rundes Kurzschaft-Implantat ist anders aufgebaut als die allermeisten Geradschaft-Implantate. Das ist konisch aufgebaut, und zwar in mehreren Ebenen.

Speaker 3:

Das heißt, am Ende ist das wie so eine Art Keil, den wir quasi auch in diesen Knochen einbringen. Das ist unten sozusagen schmaler als im oberen Anteil, und diese Design-Eigenschaft, die führt dazu, dass eigentlich die Schäfte oder diese Implantate mindestens so stabil und in manchen Situationen sogar eher stabiler agieren können als quasi ein längeres Implantat, das eben erwähnt. In der Kalkar geführten Kurzschaft Endoprothetik haben wir jetzt so ungefähr 15 Jahre Erfahrung. Am Ende wissen wir noch nicht, ob das 20, 30, 40 Jahre genau gleich hält, aber die Theorie ist natürlich wenn der Knochen mal eingewachsen ist, das Implantat sich stabilisiert hat, dann hält das am Ende. Das heißt, diese Frage konnte eigentlich beantwortet werden und gilt heute nicht mehr wirklich als Nachteil, sondern in entsprechender Anatomie sogar eher als Vorteil.

Speaker 2:

Eben war das Thema, dass es zementfrei eingebracht wird. Werden alle Kurzschlafprothesen zementsfrei eingebracht, oder gibt es manchmal Gründe, dass man sagt, man zementiert dennoch?

Speaker 3:

Also, das ist auch für mich persönlich sozusagen eine schöne Frage, weil ich quasi einige biomechanische wissenschaftliche Untersuchungen zu genau diesem Thema gemacht habe, damals im Biomechanik-Labor in Ulm, und wir haben natürlich versucht, also nachdem wir gemerkt haben, dass die Kurzschaft-Philosophie eben diverseste Vorteile auch bringt, beispielsweise Weichteilschonung, knochenschonung und so weiter dieses dann auch auf eine zementierte Endoprothetik zu übertragen, und wir haben ganz viele Untersuchungen gemacht mit Prototypen, und eigentlich haben wir heute die Erkenntnis, dass das auch sehr wohl gut funktioniert. Das Implantat, was ich damals untersucht habe, ist aktuell noch nicht auf dem Markt. Wir haben aber insbesondere von einer deutschen Firma ein zementiertes Kurzschaft-Implantat auf dem Markt, was bisher sehr gut funktioniert. Ich habe es tatsächlich auch in einigen Fällen schon genutzt. Auch da gilt das ist immer so, wenn man neue Ideen am Ende verfolgt man muss vorsichtig sein.

Speaker 3:

Wir dürfen diese Indikationsbreite, die wir damit erreichen, nicht unbedingt überreizen. Ich glaube schon, dass man gerade im zementierten Bereich sich doch auch darauf verlassen kann, dass die Standardimplantate eine gute Sicherheit bieten, und man sollte jetzt nicht bei jedem Patienten, der eben insbesondere dann betagt ist, vielleicht osteoporotisch ist und so weiter, das Risiko eingehen, diese neuartige Idee von Kurzschaftsprothesen jetzt auf eine zementierte Variante zu übertragen. Aber die ersten vorsichtigen Versuche und vorsichtigen Ergebnisse sind durchaus auch so dass man sich vorstellen kann, dass das auch in der zementierten Version gut funktionieren kann.

Speaker 2:

Das wäre für die Osteoporose eigentlich auch total spannend. Oder eventuell Revisionsendoprothetik dann auch, wenn man dann natürlich die rausgeholt hat. Kann man dann eigentlich, wenn man die Kurzschaftprothesen rausmacht, kann man dann wieder eine Kurzschaftprothese einsetzen, oder macht es dann Sinn, auf einen Standardimplantat zu wechseln, und zementiert man das? Also die Osteoporose, das Alter, was spielt denn da alles so eine Rolle? Was ist denn so der Algorithmus, der einem so durch den Kopf geht?

Speaker 3:

Ja, also grundsätzlich war das natürlich auch eine der ersten Ideen, dass man gesagt hat naja, wir bauen eine zementfreie Kurzschaftprothese ein, damit wir quasi noch mehr Knochen erhalten, und dann, wenn wir irgendwann mal wechseln müssen, dann haben wir quasi noch die Möglichkeit, eine dann Standardprothese einzubauen. So war ja eigentlich immer die Argumentation, und auch das ist interessant, dass wir letztlich in vielen Fällen gemerkt haben, wenn also tatsächlich eine Kurzschaftprothese gewechselt werden muss, dann haben wir auch die Möglichkeit, zum Beispiel eine Kurzschaft wieder einzusetzen. Das gilt nicht in jedem Fall, aber das gilt in manchen Fällen. Das haben wir tatsächlich auch beschrieben und auch veröffentlicht kurtschaft, prothese, ein standard implantat einbauen können. wir ändern damit quasi die verankerung, den verankerungsbereich und diesen öfter links nahen bereich in den diafusieren, also in den röhren bereich.

Speaker 3:

nur und das ist schon so, dass man eigentlich empfiehlt heute das ist auch aus mit verschiedenen daten belegt dass auch eine revision durchaus, wenn der knochen ist zulässt, zement frei erfolgen sollte. Das ist immer die große Frage. Also, es ist vollkommen richtig. wir können es nicht für jeden Patienten verallgemeinern. Wenn wir einen älteren Menschen haben mit osteoporotischen Knochen, dann ist am Ende natürlich die Zementierung, also das am Ende Festkleben eines Implantates im Knochen, die sicherste Variante hinsichtlich Frakturen und hinsichtlich Lockerung. Aber das Ziel ist eigentlich, bei gutem Knochen zementfrei zu bleiben, und das können wir gut erreichen, wenn vorher ein Kurzschäft implantiert war. Jetzt müssen wir natürlich auch wieder einschränkend dazu sagen die Kurzschäfte gibt es seit 10, 15 Jahren. Das heißt, die, die wir bis heute wechseln mussten, sind nicht die, die quasi aus Verschleißgründen oder sowas gewechselt werden. Da könnte es theoretisch anders sein, weil auch da natürlich dann der Knochen sich vielleicht abgebaut hat in der Zwischenzeit und so weiter und das Ganze dann doch komplizierter ist. Das waren meistens Frühlockerungen oder eben Infekte beispielsweise, wo wir wirklich einen kurzen Schaft wieder rausnehmen mussten, also nicht nach einer langen Tragezeit, sozusagen.

Speaker 1:

Also Katharina, ich bin überzeugt, also ich nehme das Miniröckchen. Ich finde den Kurzschaft jetzt schon eigentlich super. Und deswegen ist an den Professor Kutzner vielleicht ein bisschen ketzerische Frage Aber wenn Sie jetzt so Ihr Oeuvre an Hüftendoprothetik anschauen, wenn Sie jetzt so Ihr Oeuvre an Hüftendoprothetik anschauen, in wie viel Prozent der Fälle können Sie eigentlich keinen Kurzschaft mehr nehmen? Und vorhin hatten wir es schon so ein bisschen Osteoporose, schwacher Knochen und so weiter. Wenn ich jetzt Zuhörer bin und mir denke, so einen Kurzschaft will ich auch haben, in welchen Fällen geht es denn wirklich definitiv nicht, und wie kriegen Sie das eigentlich im Vorfeld raus, ob das geht oder nicht?

Speaker 3:

Also, da gilt eigentlich das, was in der zementfreien Endoprothetik für uns alle gilt. Das ist so, dass der Knochen eine gewisse Qualität haben muss. Jetzt wissen wir, dass in den meisten Fällen der Knochen bei den älteren Menschen eben dann vermehrt abbaut, schwächer, wird Osteoporose entwickelt, älteren Menschen eben dann vermehrt abbaut, schwächer wird Osteoporose entwickelt. Dementsprechend ist es so, dass es naja auch getriggert durch die Registerergebnisse einen bestimmten Altersbereich oder eine Altersabgrenzung gibt, für welche viele Chirurgen oder auch vielleicht Fachabteilungen Empfehlungen aussprechen, dass doch dann zementiert werden sollte. Jetzt ist es so, dass es zum Beispiel ab 70 Jahren ist das Risiko höher, wenn man Zement frei versorgt, als wenn man zementiert versorgt. Das sehen wir aus den Daten.

Speaker 3:

Ich persönlich gehe gerne individuell vor. Ich habe ganz oft Patienten in meiner Praxis oder in meiner Behandlung, die schon deutlich über 70 sind, aber topfit, einen super Knochen haben und sehr sportlich, aktiv sind, und ich persönlich habe sehr großes Kugel, dann zu sagen okay, nur aufgrund ihres Alters zementiere ich das. Ich versorge auch diese Patienten, wenn der Knochen stimmt, meistens zementfrei. Man kann natürlich im Vorfeld so Dinge wie eine Knochendichte-Messung unternehmen. Auch das Röntgenbild gibt schon eine, naja, zumindest eine Richtung. Es gibt eine breite Knochenwand oder eine schmale Knochenwand. Es gibt bestimmte Strukturen, die im Röntgenbild auch auffallen, wo man sagt oh, das sieht aber nicht nach gesundem, gutem Knochen aus, und dann muss man extrem aufpassen.

Speaker 3:

Bei einem osteoporotischen Knochen empfiehlt sich eigentlich immer das Zementieren. Das ist aber, wenn man jetzt diese Kalkar-geführte Kurzschaftenoprothetik hernimmt, schon so, und das sind am Ende auch wieder Entwicklungen. Wenn Sie quasi anfangen mit so einem Implantat, dann sind Sie erstmal sehr vorsichtig. Dann versorgen Sie vielleicht nur 10, 20, 30 Prozent Ihrer Patienten mit einem solchen Implantat, und in allen anderen Patienten nehmen Sie das, was Sie die letzten 20 Jahre kannten. Allen anderen Patienten nehmen sie das, was sie die letzten 20 Jahre kannten.

Speaker 3:

Dann hat sich das natürlich in unseren Händen, also in der Wiesbadener Klinik, wo wir quasi diese Kurzschäfte rauf und runter operiert haben, so entwickelt, dass wir immer mutiger wurden, und dann muss man auch sehen, dass man ab und zu vielleicht über das Ziel hinaus kommt. Wir haben mit Sicherheit und da wird keiner stolz drauf sein auch den einen oder anderen Fehler gemacht im Sinne von wir haben zu osteoporotischen Knochen auch mit einem Kurzschaft-Implantat versorgt, und das war mit Sicherheit im Nachhinein keine gute Idee. Das heißt, wir haben daraus gelernt. Also, um die Frage zu beantworten ehrlich gesagt nehme ich sehr häufig ein Kurzschaft-Implantat, aber immer dann, wenn der Knochen es nicht zulässt, wenn ich eine Osteoporose habe, und wenn die Menschen deutlich über 70, 75 Jahre alt sind und ich Zweifel habe, dann würde ich das zementieren. Das würde ich auch am Ende jedem Kollegen empfehlen, das so zur Hand haben. Und dennoch habe ich mit dem zementfreien Kurzschaft ein sehr, sehr breites Spektrum.

Speaker 3:

Ich kann und auch das hatte ich vorhin so ein bisschen angedeutet ich kann die Verankerung bei diesen Kalkar-geführten Kurtschäften sehr variabel wählen, und das ist so ein bisschen, wie dann noch zusätzlich zum Gürtel ein bisschen Hosenträger dazu bringen, indem ich quasi doch ein klein bisschen mehr in dieser Röhre auch verankere, also quasi wir nennen das dann eine Metadiaphysäre Verankerung also quasi in beiden Bereichen, und damit habe ich quasi dann eigentlich wieder genug Stabilität. Am Ende ist es ehrlich gesagt ein bisschen Erfahrung, also, wenn man das seit 15 Jahren macht. Ich habe das eben angesprochen, ich habe auch vielleicht in dem einen oder anderen Fall mal Lehrgeld bezahlt und habe aber jetzt am Ende ein ziemlich gutes Gefühl dafür, wann ist es wirklich noch sicher möglich, und wann sollte man es lieber lassen. Und ich glaube, das muss jeder Chirurg auch für sich ein Stück weit individuell betrachten. Aber in meinen Händen ich mache sicherlich 90, vielleicht sogar 93, 94, 95 Prozent aller Hüftoperationen, primärer Hüftoperationen, heute mit einem Kurzschatz.

Speaker 2:

Das ist ein schönes Plädoyer für die Kurzscharfprothesen. Ein Thema ist ja auch, dass wir die Hüften-Endoprothetik oder insgesamt die Endoprothetik etwas schneller machen. in Anführungszeichen Das heißt, die Heilungszeiten und die Krankenhausaufenthaltszeiten sind kürzer geworden. Wenn natürlich jetzt die OP weniger invasiv ist und es alles sehr, sehr gut machbar ist, wie schnell ist denn dann so die Heilungsrate danach, und wie schnell sind die Patienten wieder fit?

Speaker 3:

Also, in der Tat ist es so, dass wir auch das ist über die letzten Jahre immer mehr gereift das Gefühl haben, ja letztlich immer ein Stück weit naja, besser zu werden. Also nicht unbedingt immer nur schneller, aber wir werden irgendwie besser. Wir haben das Gefühl, dass wir durch ganz verschiedene Elemente in der Nachbehandlung oder auch in der Behandlung immer mehr es schaffen, patienten sehr schnell, sehr mobil zu bekommen. Das führt dazu, dass wir heute das ist anders als noch vor zehn Jahren und das ist gar nicht so lange her die Menschen direkt nach der Operation im Prinzip auf die Beine stellen und mit ihnen umherlaufen. Das ist so. Wenn ich einen OP-Tag habe, dann operiere ich vier, fünf Menschen und gehe dann mittags früher Nachmittag auf Station und laufe mit all diesen Menschen höchstpersönlich über die Station, und also in den allermeisten Fällen funktioniert das ganz hervorragend.

Speaker 3:

Wir haben quasi ein Medikamentenregime das hat sich über viele Jahre das ist die sogenannte Fast-Track-Chirurgien oder Fast-Track-Konzepte, die sich da entwickelt haben. Da gibt es viele Medikamente, die uns helfen. Da gibt es am Ende eine interdisziplinäre Zusammenarbeit auch mit den Physiotherapeuten, mit der Anästhesie, die natürlich auch also die Narkoseärzte, die quasi eine bestimmte Art Narkose machen können, damit es eben genau so möglich ist, dass wir eine Stunde oder zwei Stunden später nach so einer Operation eben mit Patienten schon aufstehen. Also ich scherze immer oder ich bereite letztlich die Patienten immer schon ein bisschen drauf vor, weil die immer ganz erstaunt letztlich fragen wie ich kann direkt nach der Operation dann schon laufen und aufstehen? Ich sage immer ja, am OP-Tag ist das am Ende überhaupt kein Problem, weil sie ich nenne das immer Doping am Ende sind sie natürlich noch halb in Narkose.

Speaker 3:

Wir haben ganz tolle Medikamente, die dann wirken, und die Menschen laufen am OP-Tag wunderbar in der Regel auf Station. Wir können heute fast alle Patienten voll belasten lassen, und dann kommt immer so ein klein bisschen dieser Rückschlag am ersten postoperativen Tag, wenn da schlägt so ein bisschen die Muskulatur dann an, da ist plötzlich ein bisschen Hämatom dann auch im Muskel, und da wirken die Medikamente nicht mehr ganz so gut. Das heißt, die meisten Patienten sitzen tatsächlich am ersten Tag nach der Operation auf ihrem Bett oder sind da am Laufen und sagen also, ehrlich gesagt, gestern war es fast ein bisschen besser. Das kann man ganz schnell wieder abräumen, weil das ganz typisch ist, und am Ende ist es dann einen Tag später schon wieder deutlich besser.

Speaker 3:

Aber die Menschen sind heute nach einer Nacht, nach zwei Nächten in vielen Fällen so fit, dass sie eigentlich gut nach Hause gehen können. Das hat sich natürlich auch in den letzten Jahren immer weiter entwickelt. Die Liegezeiten sind deutlich zurückgegangen, aber gerade in der Hüftendoprothetik auch ein Stück weit zurecht, weil wir einfach besser geworden sind darin, diese Menschen schonend zu behandeln und mit guten Techniken, aber auch mit guten Medikamenten am Ende sehr früh recht fit zu bekommen.

Speaker 2:

Wie ist es denn mit der sportlichen Aktivität? Wann kann man denn nach so einer Hüftentenprothese wieder zurück zum Sport kehren?

Speaker 3:

Tja, das kommt natürlich immer so ein bisschen auf den Sport an. Auch da habe ich das Gefühl, dass die strengen Regeln der Vergangenheit heute eigentlich nicht mehr unbedingt so gelten müssen. Wir haben das Gefühl, dass wir heute auf jeden Fall Menschen zum Sport animieren dürfen und können. Also Hüftprothesen halten das wunderbar aus. Und natürlich ist es auch so, dass, wenn das ganze Weichteil schonen passiert, und wenn wir, sowohl was den Zugang betrifft und das Implantat betrifft, eben diese Weichteilschonung optimieren können oder möglichst optimal beherrschen, dann ist der Eindruck, dass diese Menschen sehr, sehr wohl relativ früh wieder in körperliche Aktivität kommen können. Es ist natürlich auf der anderen Seite so, dass das, wenn das Zement frei implantiert wird, auch ein Risiko sein kann, wenn man zu schnell zu viel Mobilität oder Belastung oder Sprünge oder sowas machen. Das kompromittiert mit Sicherheit die Knochenheilung. Auch die Weichteilsituation ist da vielleicht so, dass sie noch in einem gewissen Heilungsstadium ist.

Speaker 3:

Die Weichteilsituation ist da vielleicht so, dass sie noch in einem gewissen Heilungsstadium ist. Danach, nach sechs Wochen, nach acht Wochen, nach zehn Wochen kann man in der Regel sehr vieles freigeben. Ich glaube, dass die Ausnahmesportarten für bestimmte Patienten, also Tennis spielen, skifahren, gehen. Es gibt heute letztlich fast keine Sportart, die nicht betrieben wird mit künstlichen Gelenken, insbesondere mit Hüftprothesen. Die sollten doch erst nach drei, vier Monaten eigentlich dann wieder eingeübt werden.

Speaker 3:

Und am Ende gilt auch da wenn Sie vorher nie Tennis gespielt haben, dann ist es natürlich immer die Frage warum müssen Sie jetzt dann plötzlich auf den Tennisplatz? Aber wenn Sie ein leidenschaftlicher Tennisspieler sind beispielsweise und immer waren, dann ist das heute ehrlich gesagt fast immer freizugeben, und die meisten Menschen, die das dann auch wollen und die das früher mal gelernt haben, die können das auch. Das ist heute eine der Errungenschaften, und ich glaube, das sollten wir auch ein Stück weit so zulassen, wie die langfristigen Folgen sind. Ob dann solche Implantate am Ende doch nach 20, 30, 40 Jahren etwas mehr Schädigung erfahren als jetzt Implantate, die vielleicht diese Belastung nicht aushalten müssen, das wissen wir ehrlich gesagt nicht. Da gibt es auch keine wirklichen Untersuchungen zu. Insofern ist das ein bisschen Spekulation. Das kann stimmen, aber den Menschen deswegen ihre Lebensqualität vermiesen, das ist zumindest nicht mein Ansatz.

Speaker 1:

Katharina, ich weiß, wir sind in der Zeit schon so ein bisschen weit fortgeschritten. Deswegen vielleicht noch eine ganz, ganz kurze letzte Frage und eine kurze Antwort von Professor Kutzner. Wir haben die ganze Zeit über Standardprothesen und Kurzschaftprothesen gesprochen. Wenn man der Sendung jetzt so zuhört, gerät man fast so ein bisschen in Verlegenheit zu fragen naja, Moment mal, ist denn vielleicht der Kurzschaft ja jetzt schon der neue Standard, Und wie sehen Sie das in den nächsten 10 bis 15 Jahren? Sprechen wir dann überhaupt noch über Standardschäfte, oder ist dann der Kurzschaft wirklich der neue Standard?

Speaker 3:

Also ich glaube das schon. Ehrlich gesagt, ich habe jetzt die Entwicklung der letzten 15 Jahre vor Augen. Ich kann sagen, bei mir in meinem Vorgehen ist es definitiv der Standard, no-transcript zu gehen und dieses Implantat-Design zunehmend zu nutzen. Das ist sehr eindeutig, und ich glaube, es ist eine Frage der Zeit, bis das dann am Ende für die allermeisten Patienten der Standard wird. Am Ende entwickelt sich alles immer weiter. Wir werden auch sehen, wo die Hüftendoprothetik in ein paar Jahren steht, vielleicht auch in 10, 20, 30 Jahren. Es wird spannend sein, gehe davon aus, dass da schon noch ein paar andere Ideen dazukommen, und insofern ist es ein Standard, der natürlich flexibel ist. Hoffentlich.

Speaker 2:

Danke für den schönen Ausblick. Ich glaube, wir könnten unsere Sendung zusammenfassen als die Liebeserklärung an den Mini-Rock im Fast Track. Das gefällt mir gut. ja, also ganz, ganz herzlichen Dank für die schöne Einsicht in die Gustav-Prothesen. Wir bedanken uns bei den Zuhörern, dass sie uns wieder zuhören, und freuen uns, wenn sie bei den nächsten Sendungen ebenfalls zuhören. Und wir müssen ganz klar sagen, das wäre alles hier nicht möglich, wenn wir nicht den Background in der Geschäftsstelle hätten und eine Frau Planert, die uns die Sendung zusammenschneidet. Insofern auch herzlichen Dank an den technischen Support. Danke auch an Sie, professor Kutzner, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns hier Rede an Antwort zu stehen.

Speaker 3:

Sehr gerne, vielen Dank.

Speaker 2:

Und wir freuen uns, wenn auch die Zuhörer beim nächsten Mal wieder einschalten, und wir verbleiben mit Mast und Schotbruch. Wieder einschalten, und wir verbleiben mit Mast und Schotbruch, und in Hamburg sagt man Tschüss.