
OrthoCast - Der Orthinform Podcast
Neuigkeiten aus Orthopädie und Unfallchirurgie:
Podcasts mit renommierten Expertinnen und Experten.
OrthoCast - Der Orthinform Podcast
Lebensqualität verbessern bei Hüftarthrose durch innovative Behandlungsmöglichkeiten (Prof. Karl-Dieter Heller)
Die Hüftarthrose ist eine Volkskrankheit, unter der in Deutschland Millionen von Menschen leiden. Von Professor Karl-Dieter Heller, einem führenden Experten auf diesem Gebiet und ärztlichen Direktor des Herzogen Elisabeth Hospitals in Braunschweig, erfahren Sie, welche innovativen Behandlungsmethoden es heute gibt.
Erfahren Sie, warum eine Operation nicht immer der erste Schritt sein muss und wie konservative Maßnahmen wie Physiotherapie und Schmerzmedikation die Lebensqualität verbessern können. Professor Heller betont die Bedeutung regelmäßiger Bewegung, um die Knorpelnahrung und Hüftbeweglichkeit zu wahren.
Wenn eine Operation doch notwendig wird, klären wir über die verschiedenen Operationstechniken und Prothesentypen auf und diskutieren, warum das Vertrauen in die Expertise des Operateurs entscheidend ist. Die moderne Fast-Track-Chirurgie bietet neue Möglichkeiten für die Verkürzung des Krankenhausaufenthalts und eine rasche Genesung. Dank zementfreier Prothesen können Patienten schnell wieder aktiv werden, was ein wichtiger Meilenstein in der Nachsorge ist.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Materialkombinationen bei Hüftprothesen und deren Einfluss auf die Haltbarkeit einer Prothese. Wir beleuchten die Rolle internationaler Register, die zur Auswahl der optimalen Prothese beitragen.
Abschließend widmen wir uns der Prävention von Arthrosen durch Bewegung: Ein aktiver Lebensstil kann das Fortschreiten der Arthrose verlangsamen und die Lebensqualität bis zum Schluss bewahren. Lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie wertvolle Tipps, um einer Hüftarthrose vorzubeugen oder besser mit ihr zu leben.
Music under CC License:
Artist: Jahzzar, Track: Blueprint (License: CC BY-SA 4.0 DEED)
Artist: Breuss Arrizabalaga Quintet, Track: Mount Fuji (License: CC PD)
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des OrthoCasts. Mein Name ist Katharina Döpfer.
Speaker 2:Und mein Name ist Robert Hudek.
Speaker 1:Wir sind beides Orthopäden und Unfallchirurgen aus Hamburg, und wir haben heute ein wahnsinnig spannendes Thema, denn es betrifft viele Menschen in Deutschland oder auch weltweit. Es geht um die Hüftarthrose.
Speaker 2:Und dazu haben wir einen der renommierten Experten überhaupt eingeladen, und zwar ist das Professor Karl-Dieter Heller. Er ist ärztlicher Direktor und Chefarzt der Orthopädischen Klinik des Herzogen Elisabeth Hospitals in Braunschweig. Herzlich willkommen, schön, dass Sie da sind. Ich freue mich ganz besonders, dass wir Sie als Gast bei uns haben. Und jetzt würde ich auch gleich mit der ersten Frage mal beginnen. Wenn man sich das jetzt mal so überlegt Ich brauche eine neue Hüfte, heißt es ja oft in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis Warum muss man das überhaupt operieren?
Speaker 3:Also, erstmal muss man das nicht sofort operieren, sondern wenn sich die Hüftbeschwerden langsam entwickeln, wird man das erstmal konservativ behandeln. Dazu gehört Krankengymnastik, medikamente gegen die Schmerzen, physiotherapie, alle möglichen Dinge, um das Leiden in der Hüfte zu reduzieren. Wenn diese Maßnahmen irgendwann nicht mehr greifen, und die Schmerzen werden stärker, die Bewegungseinschränkungen kommen, man hinkt, dann kommt irgendwann der Punkt, wo man entscheiden muss, ob man nicht doch eine Operation macht. Und warum muss man das tun? Weil eben die konservativen Maßnahmen dann nicht mehr ausreichen. Es muss irgendwo weitergehen. Die Hüfte ist steif, no-transcript. Erstmal konservativ behandelt, bevor man über die OP nachdenkt.
Speaker 1:Also Sie haben eben schon gesagt, man kann mit Physiotherapie was machen, man kann mit Schmerzmitteln was machen. Gibt es auch noch andere Möglichkeiten, wo man so ein bisschen versuchen kann, der Arthrose entgegenzukommen bzw entgegenzuwirken?
Speaker 3:Meinen Sie operativ oder konservativ?
Speaker 1:Na erstmal konservativ.
Speaker 3:Ja, das sind ja die wesentlichen Dinge, die man macht. Man muss sich bewegen. Bewegung ist das Maß aller Dinge, auch wenn ich gerade einen Beginn der Arthrose habe. Der größte Fehler, den ich dann machen kann, ist, mich nicht mehr zu bewegen. Dann wird der Knorpel nicht ernährt, dann wird die Hüfte steif, und dann ist das ein sich selbst unterhaltener Prozess, dann wird es noch schlechter. Das heißt, die Message ist ganz klar viel Bewegung, um den Knorpel zu ernähren, um die Beweglichkeit zu halten, und das ergänzt mit Physiotherapie, mit Schmerzmitteln. Das geht schon sehr lange. Also, es gibt viele Patienten, die über Jahre ein, zwei Schmerzmittel oder Tabletten am Tag nehmen und damit hervorragend zurechtkommen. Also, wichtig ist wirklich nicht sofort operieren, das hat üblicherweise Zeit.
Speaker 2:Wenn man jetzt mal so die Hüfte als Gelenk hernimmt und da gibt es ja alle möglichen Hüftschmerzen, die auch nicht unbedingt von der Arthrose kommen müssen Dann tut es mal an der Seite weh, oder hinten weh, oder es strahlt aus bis nach unten fast in die Zehen. Und wenn man eine Arthrose hat in der Hüfte, gibt es da ein klinisches Bild, wie sich das am ehesten bemerkbar macht. Also, wie merken die Leute, das könnte tatsächlich wirklich eine Arthrose sein?
Speaker 3:Also für den Patienten ist das oft sehr schwer zu differenzieren. Es ist so, wie Sie sagen. es gibt natürlich viele Dinge, die in die Leiste, und da ist die Hüfte. die ist ja nicht außen, wo sie volkstümlich vermutet wird, sondern die ist ja in der Leiste. Da gibt es andere Erkrankungen, die da eine Rolle spielen können. Es kann von der Wirbelsäule kommen, es kann aus dem malen-Darm-Trakt kommen und all diese Dinge. Aber es ist schon so, dass die Hüfte üblicherweise Schmerzen in der Leiste macht mit Ausstrahlung nach außen, möglicherweise ins Gesäß, und allzu oft wirklich ausstrahlt innenseitig bis zum Knie. Das heißt, es kommen auch einige Patienten, die glauben, sie hätten was am Knie, und es ist die Hüfte. Aber Fakt ist, es ist einfach ein bewegungsabhängiger Schmerz, initial erst mal, der mich limitiert, der sich dann langsam, aber dauerhaft bis hin zum Ruheschmerz entwickeln kann. Wenn das alles irgendwo in der Leistenregion abspielt, dann ist eben der Orthopäde, den Unfallchirurg gefragt, dann gehe ich zum Arzt und lasse das abklären Mit einem Röntgenbild, mit einer Untersuchung, Und damit kann man das sehr schnell ganz klar herausfinden.
Speaker 1:Und wenn man nun die Diagnose gestellt bekommen hat, man hat eine schwere Arthrose, man hat schon alles ausprobiert, wie geht es dann weiter? Dann stellt man sich ja in der Klinik vor man sucht sich eine Klinik aus, und was passiert dann sozusagen, was kann man denn in der Vorbereitung vielleicht auch noch machen, dass man gut vorbereitet in die Klinik kommt?
Speaker 3:Also, prinzipiell brauchen wir in der Klinik zwei Dinge. Das ist einmal ein Röntgenbild, nicht unbedingt eine Kernspintomographie. Meistens kommen die Patienten mit Kernspintomographien. Die brauchen wir dafür nicht, und wir müssen den Patienten klinisch untersuchen. Ich muss einfach die Beweglichkeit der Hüfte überprüfen. Da gibt es ein klares sogenanntes Kapselmuster, ein Bewegungsschema, was mir klar zeigt, es kommt wirklich aus der Hüfte, und das wird in Verbindung mit dem Röntgenbild bewertet. Das Wesentliche ist aber die Aussage des Patienten, und da tun sich die Patienten häufig sehr schwer. Der Patient muss bei mir entscheiden, ob er operiert werden möchte oder nicht, und das ist nicht immer ganz leicht. Also, ich brauche ein deutlich positives Röntgenbild, ich brauche eine klare klinische Problematik, und dann müssen wir abwägen Leidensdruck gegen Lebensqualität, und das ist extrem individuell.
Speaker 3:Das heißt, es gibt Patienten, die sind nur noch häuslich aktiv, die gehen gar nicht mehr raus, die wollen nicht weit gehen, die kommen lange ohne OP aus. Es gibt andere, deren Lebensinhalt ist, zweimal am Tag Tennis zu spielen oder Golf zu spielen. Wenn die ihre 18 Löcher nicht schaffen oder eben die Stunde Tennis nicht schaffen, dann sind sie depressiv, dann ist das Leben in Anführungsstrichen zu Ende, und da muss man vielleicht früher operieren als bei dem Erstgenannten. Also sehr individuell. Das ganze Ding heißt Shared Decision Making, und ich möchte, dass der Patient mit entscheidet.
Speaker 2:Wenn wir uns jetzt vorstellen also, wir haben all die Kriterien erfüllt, arthrose ist massiv vorhanden, patient hat einen hohen Leidensdruck, jetzt geht es los. Wir haben gemeinsam den Entscheid gefällt, okay, jetzt machen wir es halt. Wie läuft so eine Operation dann eigentlich ab? Was genau machen Sie bei der OP?
Speaker 3:Erstmal läuft das natürlich so ab, dass Sie in OP gefahren werden. Sie brauchen eine wie auch immer geartete Betäubung, entweder eine Vollnarkose oder eine Rückenmarksbetäubung, so, und dann wird je nach Zuge es gibt verschiedene Wege an. Die Hüfte wird gelagert. Bei uns ist das auf dem Rücken liegend, allzu oft ist es auch auf der Seite liegend. Das heißt, sie müssen die Hüfte freilegen.
Speaker 3:Das macht man mittlerweile minimalinvasiv, sprich, man möchte die Muskeln nicht mehr durchtrennen. Früher hat man die Muskeln durchtrennt. Das war nicht gut, das wissen wir mittlerweile. Mittlerweile geht man minimalinvasiv ein, das heißt, ich mache einen Schnitt irgendwo im Bereich der Hüfte, vorne oder seitlich oder auch hinten, je nach Vorliebe und gehe dann zwischen den Muskeln durch, suche die Hüftkapsel auf, löse die Hüftkapsel, durchtrenne sie, schneide sie weg. Die braucht man nicht mehr, die ist häufig zu kontrakt und würde die Bewegung weiter einschränken. Dann muss ich natürlich Platz schaffen für die künstliche Hüfte. Das heißt, ich brauche eine Säge und das hört man auch, wenn man eine Rückenmarksbetäubung hat und durchtrenne den Schenkelhals, entferne Schenkelhals und Kugel aus dem Hüftgelenk, mache Kap weg und fräse dann erstmal die Pfanne auf Und schlage dann, wenn ich adäquat gefräst habe. Das wird vorher alles geplant.
Speaker 3:Ich weiß grob die Größe und orientiere mich dann in der OP auch an der Planung und schaue, ob das reicht, schlage dann die Pfanne ein, die verklemmt. Da kommt ein Inlay rein, dann ist die Pfanne fertig, und dann gibt es entsprechende Raspeln, mit denen ich den Markraum, also den inneren Teil des Knochens Auch das habe ich vorher ausgemessen, um eine gewisse Größe zu haben. Die Prothesen sind in vielen verschiedenen Größen und Formen da, um sich eben individuell dem Patienten anzupassen. Ich platziere dann meinen Hüftschaft im Oberschenkelknochen, Dann kommt da eine Keramikkugel, üblicherweise auf den Konus, dann steckt man das zusammen, und wenn alles stabil ist und die Beinlänge passt, kann man das wieder zunähen. Der Patient kann sehr, sehr schnell wieder aufstehen.
Speaker 1:Sie hatten das eben schon angesprochen. Es gibt verschiedene Zugangswege, Das, was ich in der Praxis häufig als Frage gestellt bekomme. ich möchte aber unbedingt einen vorderen Zugang. oder meine Nachbarin hatte den lateralen Zugang, also den seitlichen Zugang Gibt es da Unterschiede zwischen den verschiedenen Zugangsmethoden? Wenn ja, welche Und welcher Zugang ist bevorzugt für gewisse vielleicht auch Prothesentypen? Kann man das so ein bisschen pauschal zusammenfassen oder dass man so ein bisschen was an Informationen auch an den Patienten mitgeben kann und die Zuhörer wie sozusagen da die Empfehlungen aussehen, wie sozusagen da die Empfehlungen aussehen.
Speaker 3:Diese Empfehlungen dazu sind natürlich in gewissem Maße davon abhängig, was der Operateur am liebsten macht. Deswegen sollte man auch dem Operateur folgen. Unverzichtbar ist ein minimalinvasives Vorgehen. Ob das jetzt anterolateral, also so halb seitlich oder hinten oder vorne ist, spielt ehrlich gesagt überhaupt keine Rolle. Wichtig ist, dass man das ordentlich anwendet. Wir präferieren den anterolateralen Zugang, das heißt den eher seitlich gelegenen, weil der meiner Meinung nach, wenn mal irgendwas Größeres ansteht, beliebig er weiter weist. Alternativ gibt es den vorderen Zugang. Der ist ein wenig anspruchsvoller, hat eine diskret erhöhtere Komplikationsrate, gerade was Nervenschäden angeht, und ist limitiert auf bestimmte Prothesentypen. Man kann nicht jede Prothese darüber einbauen, was androlateral, aber auch oft ist. Die Gradschaftprothesen, die wir früher hatten, die eignen sich heutzutage nicht mehr für diese Zugänge. Was ich sagen will, ist folgen Sie als Patient dem Operateur und lassen Sie ihn das machen, was er am besten kann. Und wenn Sie natürlich unbedingt einen vorderen Zugang haben wollen und der Operateur sagt, na, ich mache aber antrolateral, dann müssen Sie sich gegebenenfalls umorientieren und dahin gehen, wo man diesen Zugang macht. Also, wie gesagt, eine sehr individuelle Entscheidung.
Speaker 1:Ich würde kurz noch einmal einhaken. Ich erinnere mich sehr gut an einen Vortrag, dem ich zuhören durfte, wo genau diese Sachen auch wissenschaftlich aufgearbeitet worden sind, dass es tatsächlich nicht unbedingt auf diest individuell für jeden Patienten auch entschieden wird und auch immer in Abhängigkeit zu der Prothese und auch von der Lernkurve des Operateurs abhängig ist, und ich schließe mich dementsprechend gerne Ihrer Aussage an folgen Sie dem Operateur, und die machen das alle nicht zum ersten Mal. Deswegen sind da absolut Erfahrungswerte dahinter und mit Sicherheit sinnvoll.
Speaker 2:Der Patient wird operiert, und dann hieß es vorhin nur, da kann der eigentlich gleich wieder laufen. Das war ja früher nicht unbedingt so, gerade wenn man manchmal Sehnenansätze ablösen musste. Heute, mit den modernen Prothesen, ist das ja wahrscheinlich alles zementfrei. Und wie ist das eigentlich? Ist das denn wirklich immer so? Patient steht auf und läuft los. Wie muss man sich das vorstellen? Braucht er dann überhaupt noch eine Krücke, oder muss der Teil belasten? Wie wird das bei Ihnen gemacht?
Speaker 3:Also, wir leben Fast-Track-Surgery, das heißt, wir wollen, dass der Patient initial ordentlich vorbereitet in die OP kommt und weiß, dass er nach zwei Stunden wieder aufzustehen hat, sobald er auf Station ist, und dass er sofort wieder aktiv sein soll. Sie haben recht, früher war das anders, da hatten wir andere Zugänge, da hat es mehr geblutet, da haben wir noch Drainagen gelegt. Das ist alles vorbei. Es gibt heute üblicherweise keine Drainage mehr. Die kleineren Prothesen ermöglichen eben diese minimalinvasiven Zugänge, no-transcript, und deswegen muss er vorher adäquat informiert sein, um zu wissen, was auf ihn zukommt. Und in Deutschland gibt es für jeden Patienten eine Reha, wenn er das möchte, um gleich auch den fließenden Übergang in die.
Speaker 3:Reha zu sortieren, dass man nicht erst noch lange nach Hause muss. Das macht auch Sinn.
Speaker 1:Sie hatten eben schon mal angesprochen, dass die Patienten immer über Fast Track informiert sind. Gibt es dann vorher auch Schulungsprogramme, dass die meinetwegen lernen, an Krücken zu laufen, oder wäre das etwas, was man auch in die Vorbereitung mit einbauen könnte, dass man eben vorher schon übt, wie es ist, an Krücken zu gehen, dass?
Speaker 3:man da sozusagen mit guter Oberarmmuskulatur startet, oder wie funktioniert das? Also, die Schulung ist ein wesentlicher Bestandteil des Fast Tracks. Ohne Schulung macht das keinen Sinn. Sie müssen als Patient die Philosophie verstehen, und Sie müssen wissen, was auf Sie zukommt. Das darf man nicht im stationären Ess erklären, dann ist es zu spät. Sie müssen wissen, dass Sie sofort aufstehen. Es war eben auch die Diskussion um Gehstützen. Ja, initial nimmt man noch Gehstützen. Deswegen ist es sehr sinnvoll, das vorher zu üben, an Gehstützen zu gehen, um da nicht zu unsicher zu sein. Es gibt natürlich immer wieder auch hochbetagte Patienten, die entweder so fit sind, dass sie das auch können, oder die einfach ein bisschen langsamer hinterherlaufen. Das ist auch überhaupt kein Problem. Das heißt, fast Track heißt nicht, dass man das für jeden Patienten zu 100 Prozent umsetzt, sondern man clustert, man teilt die Patienten ein, und die Jüngeren können das eben schneller.
Speaker 3:Die Älteren brauchen ein bisschen länger. Aber üben vorher macht großen Sinn. Das machen wir auch, üben an Gehstützen zu laufen. Es geht ja so weit, dass man über eine Prähabilitation spricht, dass man im Endeffekt versucht, vor der Operation nicht nur die Schultermuskulatur für die Stützen, sondern auch die Beinmuskulatur zu trainieren. Die Philosophie fällt mir ein bisschen schwer, weil ich ja Patienten habe, die Schmerzen haben. Und wenn ich dann vorher noch mal intensiv übe, dann wage ich zu bezweifeln, dass das viel Freude macht für den Patienten, und ich glaube, die drei Übungen vorher machen den Bock auch nicht fett. Deswegen verschiebe ich es auf nachher. Aber das Gehen Üben ist extrem wichtig.
Speaker 2:Wenn man jetzt Fast Track hört, das hört sich ziemlich attraktiv an, also so ein bisschen wie naja, man geht mal ins Krankenhaus, dann kommt die Hüfte rein, und dann ist man geheilt. Wie ist das eigentlich mit Sport? Also, laufen ist das eine, ja, aber wenn man jetzt mal sagt okay, so richtig belasten also irgendwie hier vorhin hatten wir es Tennis spielen, belasten Also irgendwie hier vorhin hatten wir das Tennisspielen, golfspielen und so.
Speaker 3:Wann ist das möglich? Also, sport ist wichtig, sport soll man machen. Es ist immer die Frage was kann ich als Patient nach der Hüfte oder nach der Prothese? Ich kann die mehr, als ich vorher auch konnte. Das ist kein Jungbrunnen, das ist nur eine Prothese, das heißt, sie macht mich alle mal wieder so fit, wo man wandert, schwimmen, ski, langlauf, radfahren ist super, gymnastik, rudern, paddeln, das geht alles. Man kann theoretisch alles machen, wenn die Prothese ordentlich funktioniert. Es ist aber so wir haben ein Fremdmaterial im Körper, was abreibt, was verschleißt.
Speaker 3:Deswegen wäre es nicht zwingend angeraten, badminton, tennis, squash, fußball, das kann man spielen, aber dann bitte im Doppel. Das und nicht Fußball im Doppel, aber die anderen Aber mit Maßen, weil einfach die Prothese und auch der Übergang der Prothese in den Knochen wird durch den Sport belastet. Und je doller ich es treibe, desto höher ist der Abrieb an der Prothese, da muss man von ausgehen, desto höher ist der Abrieb an der Prothese, da muss man von ausgehen. Und beachtet dessen Sport ist wichtig, und das macht man ja gerade im höheren Alter genau aus dem Grunde, dass der Patient mobil bleibt und sich bewegt und Muskulatur schafft, damit er später nicht hinfällt.
Speaker 1:Das kann ich aus osteologischer Perspektive nur absolut unterstützen. Wann geben Sie denn Sportarten frei? Gibt es da eine Staffelung, wann man wieder welche Sportarten machen darf? Wann darf man da wieder progressiv aktiv werden?
Speaker 3:Monaten ist gewisse Vorsicht geboten. Ich möchte, dass das Implantat maximal knöchern integriert ist, und nach drei Monaten fängt man mit seinem Sport langsam wieder an und steigert sich, sodass man im Laufe eines halben Jahres vielleicht da wieder hinkommt, oder auch im Laufe eines Jahres, wo man wirklich hinkommen möchte. Das ist natürlich wieder sehr individuell. Wir sehen gerade viele Patienten aus den 60ern, die eigentlich gelernt haben, viel Sport zu treiben, und das auch wieder machen wollen. Was mich immer sehr erfreut ist wenn man hochbetagte Patienten operiert, ist ja immer die Frage macht das überhaupt noch Sinn, im Alter zu operieren? Und wenn man dann einen 95-Jährigen hat, der danach wieder ordentlich läuft, muskulatur aufbaut und Lebensqualität hat, also das ist, wie gesagt, für jede Altersklasse was.
Speaker 2:Aber für jede Altersklasse gibt es in gewissem Maß auch eigene Regeln. Was darf ich, was darf ich nicht? Wie lange hält denn so eine Prothese?
Speaker 3:Vorhin hatten wir es kurz Abrieb Je mehr man es belastet, desto mehr reibt sich ab. Wie lange hält so ein Teil? Ich würde mal sagen, so eine Prothese hält zwischen 18 und 22 Jahren. Wir sehen viele Patienten, die ihre Prothese viel länger haben. Wir wissen aber auch, dass etwa 10% nach 10 Jahren irgendwie wieder operiert wurde, Sei es, weil es doch locker geworden ist relativ früh, oder sei es, weil es einen Infekt gab oder ähnliches. Aber so als Mittelmaß würde ich sagen, man kann schon damit rechnen, dass die Prothese 20 Jahre hält. Diese 20 Jahre hält, dann ist es entweder so, dass die Materialien verschleißen, wobei das sehr individuell ist. Das hängt wirklich von den Materialien ab, die man verwendet. Und was man auch nicht vergessen darf der Knochen um die Prothese verändert sich ja auch, und wenn der irgendwann weich wird, dann ist das Fundament weg, und dann kann es eben dadurch auch mal zur Lockerung kommen.
Speaker 1:Ich würde hier kurz eine Ergänzung nochmal machen. Wir haben ja den riesen Vorteil, dass wir über Register, in dem die Endokrothesen gelistet werden und geführt werden, wir sehriten beurteilen und können auch damit beurteilen, in welcher Zusammensetzung sie erfolgreich sind oder vielleicht auch mal nicht erfolgreich sind. Können Sie da vielleicht nochmal einen ganz kleinen Ausblick geben oder das nochmal kurz ein bisschen detaillierter erklären?
Speaker 3:Also Sie haben es ja eigentlich schon gesagt. Also, es ist so, dass es weltweit verschiedene Register gibt, die verschiedene Laufzeiten haben. Das hängt aber natürlich alles auch ein bisschen zusammen mit der Philosophie des Landes. Das älteste Register ist in Skandinavien. Da wird aber üblicherweise extrem viel zementiert, was wir nicht tun. Deswegen haben die Ergebnisse, die wir vielleicht gar nicht so unbedingt nachvollziehen können, die aber dennoch gut sind. Wenn wir jetzt auf unser Register mal schauen, das gibt es erst seit acht oder zehn Jahren, und die Laufzeit ist eben noch begrenzt. Aber auch da ist so, wie Sie sagen, wird jede Materialkombination und jede Prothesenkombination beobachtet, und es wird geschaut, wie lange hält was Keramik. wenn man das ordentlich einbaut, verschleißt das nahezu überhaupt nicht, und der Körper reagiert nicht auf das Abtretmaterial. Das nächst wertvolle ist Keramik in hochvernetztem Polyethylen. Auch das ist sehr hochwertig, und wenn ich dann aber schon Metall in einfachen Kunststoff packe, dann muss ich davon ausgehen, dass die Haltbarkeit der Prothese ein bisschen kürzer ist. Das heißt, das mache ich eher bei hochbetagten Patienten, wo die Lebenserwartung nicht mehr allzu hoch ist.
Speaker 3:All das kann man in den Registern kontrollieren. Es gibt auch Register, national und international, die das auf den Operateur runterbrechen. Auch das ist möglich, in Deutschland noch nicht so gelebt, aber prinzipiell denkbar. In England ist das so, dass Sie als Patient A sehen können, welche Prothese performt wie, und auch noch sehen können, wie performt die denn mit dem unterschiedlichen Operateur? Das ist natürlich eigentlich das, was am sinnvollsten ist für den Patienten, um einfach zu wissen, bei wem lasse ich mir welche Kombination einbauen. Aber da gibt es eine Unmenge an Informationen. das würde aber hier wirklich den Rahmen sprengen.
Speaker 2:Ich würde vielleicht noch einmal ganz kurz die Zuhörer erklären diese Kombination, materialkombination, die Sie genannt haben, also Keramik, metall, polyethylen, das ist einfach die Kugel der Hüfte gleitet in der Pfanne, und die ist eben aus einem jeweils anderen Material. Es gibt ganz viele verschiedene Materialkombinationen, und man versucht also immer, möglichst den durch geeignete Kombinationen den Abrieb gering zu halten. Vielleicht nochmal eine kurze Erklärung von Ihnen, professor Heller, für unsere Zuhörer Wir hatten gerade zementiert und unzementiert. Was sind die wesentlichen Unterschiede und was ist momentan State of the Art, art.
Speaker 3:Der State of the Art wechselt immer so ein bisschen. Also, zementiert ist eine Versorgung, wo ich eine Prothese in den Körper einklebe. Das ist kein Zement, das ist ein Zwei-Komponenten-Kleber Polymethyl mit Acrylat, mit dem ich sowohl die Pfanne als auch den Schaft einklebe. Das machen wir dann oder auch in Deutschland auch üblicherweise dann, wenn die Knochenqualität relativ schlecht ist und wenn der Mensch schon älter ist. Es gibt im Moment eben basierend auf den Registern, die wir eben besprochen haben, ergebnisse, die sagen, man sollte ab 75 Jahren gerade bei Frauen intensiver darüber nachdenken, zu zementieren. Wir hatten mal Phasen, wo fast gar nicht mehr zementiert wurde. Da hat man gesehen, wenn der Knochen nicht adäquat tragfähig ist, steigt die Komplikationsrate. Das heißt, die grobe Regel beim älteren Patienten tendenziell eher operieren, betrifft aber meistens nur den Schaft. Die Pfanne kann man auch im hohen Alter zementfrei machen und beim jüngeren Patienten eben nicht zementieren.
Speaker 3:Der Zement oder die zementierte und die zementfreie Prothese haben nicht unbedingt unterschiedliche Standzeiten. Das ist aber das Problem. wenn ich nochmal operieren muss, um die Prothese zu wechseln, da liegt natürlich der Zement zwischen Prothese und Knochen. Den muss ich ausbauen, und das macht größere Knochendefekte. Deswegen sind wir bestrebt, eigentlich so oft es geht zementfreie Implantate im Pfannen und Schaftbereich zu verwenden, aber wie gesagt, mit der Grenze alter weicher Knochen. wenn eben dieser Schaft nicht rotationsstabil verankert werden kann in der OP, dann wird man das zementieren. Die Zementierquote ist im Moment irgendwo so um die 15 Prozent in Deutschland.
Speaker 1:Sie haben jetzt eben die Knochenqualität angesprochen. Da kommt wieder mein Herzensthema durch mit der Osteologie Einige Zuhörer wissen das schon die möglicherweise irgendwann mal operiert werden muss, eventuell, dass man sich vorher auch eben mit überlegt, dass man mal eine knochendichte Analyse macht oder knochendichte Messung und sich darum den Knochen kümmert. Ist das was, was in der konservativen Therapie Einzug gefunden hat?
Speaker 3:Wir sehen immer noch sehr viele Schenkelarztfrakturen bei Patienten, die eben überhaupt keine osteologische Therapie haben. Ich würde es noch nicht mal abhängig machen von der Frage, ob ich irgendwann eine Prothese brauche, sondern es muss generell darauf geachtet werden, gerade bei betagten Damen die Knochendichte adäquat einzustellen. Das ist wichtig. Das gelingt, muss man wirklich so sagen, in Deutschland flächendeckend im Moment noch nicht. Wir sehen sehr viele Schenkelarztfrakturen von Damen, die einfache Stürze erleiden, die überhaupt keine Prophylaxe bekommen haben. Das ist nicht sinnvoll. Ob die osteologische Maßnahme das Prothesenfundament besser beeinflusst, das ist sicher so, aber das wissen Sie sehr wahrscheinlich sehr viel besser als ich und können das gleich beantworten. Aber die Knochenqualität hochzuhalten, ist von höchster Bedeutung, nicht nur für die Prothese, sondern auch für die Stürze, die möglicherweise irgendwann im Alter kommen, um dabei eben keinen Schenklatsbruch zu erleiden oder eine Schulterfraktur zu erleiden. Also Knochendichte messen ja, und auch dann aber eben konsequent therapieren, Auch unabhängig von der Prothese.
Speaker 2:Wir haben jetzt über alle möglichen Techniken gesprochen, wie man was macht. Was sind denn überhaupt die häufigsten Risiken bei so einer Operation?
Speaker 3:Wir haben eben schon über die Lockerung gesprochen. Also, es wird irgendwann so sein, dass sich eine Prothese lockert, es sei denn, ich bekomme sie im hochbetagten Alter und habe nur noch 20 Jahre Lebenszeit, dann wird das nicht passieren.
Speaker 3:Lockerung ist ein Thema, das gibt es ganz selten mal früh. Das gibt es bei zementfreien Prothesen, dass die auch mal initial nicht richtig fest werden. 1% infiziert ist immer ein Angstthema für den Patienten. Hilf, ich kann einen Infekt erleiden, das können Sie, und ein Prozent erleidet schon beim Einbau einen Infekt, und dann muss man nachher reagieren. Wir haben eben gesagt, wir schlagen Raspeln und Prothesen in Knochen. Das heißt, es kann auch durchaus mal intraoperativ sein, wenn man das nicht sorgfältig macht oder sehr weichen Knochen hat, dass der Knochen bricht. Da muss man gleich auch was gegen tun.
Speaker 3:Die Blutung ist ein Thema, worüber man den Patienten aufklären würde, wobei gerade diese minimalinvasiven Techniken dazu führen, dass es überhaupt nicht mehr blutet. Also, man hat mittlerweile einen Blutverlust von 100 Millilitern in einer OP. Früher war das deutlich mehr, da war das bis zu einem Liter, da haben wir noch Drainagen gelegt. da ist das nicht so. Wir schneiden in einen Körper rein, die Wunde muss heilen. Es gibt selten auch mal Wundheilungsstörungen, die aber an der Hüfte relativ selten sind Und was natürlich geschieht. ich nehme Einfluss auf die Beinlänge Je nach Konfiguration, je nach Form der Hüfte vor ist es durchaus denkbar. no-transcript.
Speaker 2:Die beste Therapie ist ja eigentlich die Vermeidung. Gibt es denn was, was Sie sagen können für unser Publikum? Wie vermeide ich das eigentlich? Wie kann man das hinauszögern? Was muss ich machen, wenn ich eigentlich weiß, naja, vielleicht kriege ich sowas, und ich will es aber nicht. Und wie verhält man sich Das?
Speaker 3:Wichtigste als Prophylaxe ist im Endeffekt die Bewegung. Wir hatten das eben schon gesagt, auch wenn die Arthrose beginnt. Sie sollen sich bewegen, sie sollen üben, sie sollen Muskelkräftigung machen, sie müssen versuchen, das Gelenk über eine starke Muskulatur zu entlasten. Sie werden über bestimmte Techniken oder so die Arthrose nicht vermeiden. Sie können eigentlich nur den Zeitpunkt aufschieben, zu dem vielleicht doch irgendwas Operatives geschehen muss. Also die wichtige Nachricht ist wirklich Bewegung, bewegung, bewegung und auch den Bewegungsradius des Hüftgelenkes erhalten. Aufpassen, dass die Hüfte nicht steif wird, nicht zu schmerzhaft wird, dass man nicht mehr laufen kann. Aktiv bleiben bis zum letzten Moment und Muskulatur aufbauen, das wären so die wesentlichen Dinge. Aufhalten oder abwenden können Sie es damit sicher nicht.
Speaker 2:Ja, vielen lieben Dank für diese wirklich tolle Zusammenfassung in der Diagnostik und Therapie der Cox-Arthrose. Herzlichen Dank dafür, dass Sie heute dabei waren, und ich hoffe, es hat Ihnen gefallen beim Zuhören. Und wir möchten uns verabschieden, wünschen Mast und Schulbuch, und in Hamburg sagt man Tschüss. Untertitelung des ZDF 2020.